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Antifa Erzählcafé: Marie Luise Kaschnitz. Gott und die Welt. Aufzeichnungen aus der Wiesenau – Lesung und Gespräch mit Dr. Rolf Gössner

23. April @ 19:00 - 21:00
Kostenlos

Marie-Luise Kaschnitz stammte aus adligem Haus. 1901 in Karlsruhe als Marie Luise Freiin von Holzing-Berstett geboren, wuchs sie in Berlin und Potsdam auf, wo der Vater als Generalmajor tätig war. Beide Eltern standen in Kontakt zum preußischen Hof.
Nach Abitur und Buchhändlerlehre in Weimar wechselte sie zu einem Verlag in München, später zog sie nach Rom und arbeitete in einem Antiquariat. 1925 heiratete sie Guido Kaschnitz von Weinberg, einen Archäologen ebenfalls adliger Herkunft. Sein Beruf bedingte wiederholte Reisen und Ortswechsel: Mit ihm lebte Kaschnitz u. a. in Rom, Königsberg, Marburg und seit 1941 vornehmlich in Frankfurt.
In seinem für das Lesefestival herausgegebenen Buch „Gott und die Welt“ stellt Rainer Weiss Texte aus ihrer Frankfurter Zeit zusammen. Es geht um die 1960er Jahre. In dieser Zeit entwickeln sich im Frankfurter Westend studentische Proteste gegen alte Strukturen im Hochschul- und Bildungswesen, es formiert sich die außerparlamentarische Opposition, es kommt zu Wohnungsbesetzungen gegen die steigenden Immobilienpreise.
Selbst von einer Wohnungskündigung bedroht, befürchtet Kaschnitz eine Umwandlung ihres häuslichen Umfeldes in ein Viertel der Banken und Versicherungen. In ihren Texten beschreibt sie eine allgemeine existentielle Beunruhigung, auch über die Wohnungsfrage hinausgehend: Zukunft der Arbeitsplätze, Bedrohung durch technischen Fortschritt, Veränderungen in der Natur, Angst vor Krieg, insbesondere vor einem Atomkrieg. Auf bundespolitischer Ebene verabschiedet das Parlament die Notstandsgesetze und schränkt damit die demokratischen Rechte massiv ein.
Solche Entwicklung erleben wir auch heute. Es zeigen sich Parallelen hinsichtlich der Wohnungsnot, des Sozialabbaus, der Militarisierung und des Demokratieabbaus. Stichworte sind etwa die Begriffe „Zeitenwende“ oder „Kriegstauglichkeit“. Die Gesellschaft wird umstrukturiert.
Der Jurist und Publizist Dr. Rolf Gössner wird sich mit der Frage beschäftigen: Wie können wir im Rahmen der Friedensbewegung mit den dramatischen Veränderungen umgehen? Er ist Mitherausgeber des „Grundrechte-Reports“; er war Rechtsanwalt und stellvertretender Richter am Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen, er ist Autor zahlreicher Bücher zum Themenspektrum Innere Sicherheit, demokratischer Rechtsstaat, Grund- und Freiheitsrechte.

Eintritt frei, Spenden willkommen.
Eine Veranstaltung der Frankfurter Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) im Rahmen von „Frankfurt liest ein Buch“ in Kooperation mit der KunstGesellschaft Frankfurt.

Details

  • Datum: 23. April
  • Zeit:
    19:00 - 21:00
  • Eintritt: Kostenlos

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