Lorenz Knorr ist tot

11. Dezember 2018

Lorenz Knorr (18.7.1921 bis 26.11.2018)

Unser Freund und langjähriger Mitstreiter Lorenz Knorr ist am vergangenen Montag,
26. November 2018 im Alter von 97 Jahren verstorben.

Lorenz hat Politik gelebt. Dem Kampf gegen Krieg und Faschismus und für eine bessere, gerechtere Welt sah er sich lebenslang verpflichtet. Er begeisterte als aufklärender Redner und überzeugte mit seiner publizistischen Arbeit wie auch als Buchautor.

Widerstand gegen Unrecht war und blieb sein Credo: Als Mitglied der sozialistischen Jugend in seiner tschechoslowakischen Heimat und im Rahmen der Wehrmacht mit der Verbindung zum emigrierten Auslands¬vorstand der SPD. Lorenz konfrontierte mutig alte Nachkriegsgeneräle mit ihren Wehrmachtsverbrechen, worauf diese ihn mit mehreren erfolglosen Gerichtsverfahren überzogen.

Im Krieg schwer verletzt führte ihn sein Weg über den Bundessekretär der Sozialistischen Jugend „Die Falken“, dem Direktorium der Deutschen Friedens-Union zum Weltfriedensrat. Er gehörte in den neunziger Jahren dem Bundesausschuss der VVN-BdA an. Er war uns stets verbunden.

Unsere Trauer um Lorenz verbinden wir in der Überzeugung, in seinem Sinn weiter zu arbeiten.

Wer sich an einer Traueranzeige beteiligen möchte, die am 8. Dezember 2018 in den Frankfurter Zeitungen und in der Jungen Welt erscheinen wird, teilt dies bitte mit: Frieden-und-Zukunft@t-online.de und überweist mindestens 20 € auf das Konto der Friedens- und Zukunftswerkstatt: Frankfurter Sparkasse
IBAN: DE20 50050201 0200081390, BIC: HELADEF1822

Die Trauerfeier und Beisetzung von Lorenz Knorr wird am Montag, den 17.12. um 12.45 Uhr auf dem Frankfurter Hauptfriedhof stattfinden.

Mehr zum Leben von Lorenz Knorr: https://hessen.vvn-bda.de/lorenz-knorr/ 

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„Swing tanzen verboten“

11. Dezember 2018

Gesprächskonzert mit Emil Mangelsdorff und Band

VVN-BdA und Brotfabrik präsentieren
Emil Magelsdorff und Band
am Sonntag, den 24. Februar 2019, 20.00 Uhr,
Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4, 60488 Frankfurt-Hausen

„Alle Rädelsführer, und zwar die Rädelsführer männlicher und weiblicher Art, die feindlich eingestellt sind und die ‚Swing-Jugend‘ unterstützen, sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend zunächst einmal Prügel bekommen und dann in schärfster Form exerziert und zur Arbeit angehalten werden (…). Der Aufenthalt im Konzentrationslager muss für diese Jugend ein längerer, 2 bis 3 Jahre sein. Es muss klar sein, dass sie nie wieder studieren dürfen.“ (Heinrich Himmler [Reichsführer der SS], in einem Brief an SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich vom 26. Januar 1942) 1)

Swingboys in Barmbek ca. 1930er oder 1940er

Die „Swing-Jugend“ kämpfte auf ihre eigene Weise gegen die Vereinnahmung durch den deutschen Faschismus. Die dieser Bewegung angehörenden Jugendlichen verfolgten anfangs häufig gar keine politischen Ziele. Doch in ihrem Drang nach Unabhängigkeit gerieten sie in schärfsten Konflikt mit dem NS-Regime – ein Konflikt, der manchen Swing-Jugendlichen nun auch in politische Opposition gegen die Machthaber drängte.

Mit einer Broschüre unter dem Titel „Entartete Musik“ machten die Nationalsozialisten 1938 Stimmung gegen Musik, die nicht in ihr Weltbild passte. Die Ausstellung „Das Dritte Reich und die Musik“ zeigt im Pariser Musikmuseum bis 9. Januar 2005 wie die Kunst, vor allem aber die Musik, allmählich vom Regime vereinnahmt wurde. dpa (Zu dpa-Korr „Musik im Dritten Reich – Von Wagner, Beethoven, Orff und Weill“ vom 13.10.2004) |

Der faschistische Staat ging zunehmend aggressiv gegen die Swing-Jugend vor. Allein in Hamburg wurden bei einer „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ im August 1941 über 300 Jugendliche verhaftet und in Gestapo-Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt. 2)

Zwischenzeitlich hat die Forschung über Jugend-Widerstand während der Nazi-Herrschaft Verbindungen zwischen Swing-Jugend, Edelweißpiraten und Weiße Rose beschrieben.

Emil Mangelsdorff, 1925 in Frankfurt am Main geboren und unter den Bedingungen des Nazisystems herangewachsen, musiziert und berichtet in seiner lebhaften und humorvollen Gabe von den Erfahrungen und Erlebnissen des Jugendlichen Emil, der seine Leidenschaft zum Jazz entdeckt und entschlossen ist, Jazzmusiker zu werden.

Er gehört zu jener „Swing-Jugend“ in Frankfurt, die eine Gegenkultur zum NS-System lebt und Maßnahmen der Gestapo bis hin zur Verhaftung erträgt.

Der Staat, in dem er aufwächst, unterdrückt und verfolgt jede künstlerische Artikulation, deren Basis Freiheit und Menschenwürde ist.

Emil, von der Ausdruckskraft des Jazz, von der Vielfalt der Mittel dieser Musik beeindruckt, erfährt, dass kulturelle Neugier, Kreativität und Offenheit ausreichen, um die Staatsgewalt auf den Plan zu rufen.
Aus der Perspektive eines Jugendlichen erzählt Mangelsdorff. Eindrucksvoll und lebendig zeigt er, dass Zivilcourage und ein Bekenntnis zu kultureller Vielfalt in jeder Gesellschaft möglich und notwendig ist, dass der aufrechte Gang aber auch Spaß macht. Emil und seine Band begeistern generationenübergreifend das Publikum.

Besetzung: Emil Mangelsdorff (Altsaxophon), Thilo Wagner (Piano), Jean-Philippe Wadle/ Dietmar Fuhr (Bass), Axel Pape (Schlagzeug).

VVN-BdA und Brotfabrik präsentieren
Emil Magelsdorff und Band
am Sonntag, den 24. Februar 2019, 20.00 Uhr,
Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4, 60488 Frankfurt-Hausen

Eintritt: Vorverkauf: 15 €, Abendkasse 18 € (Vorverkauf: Brotfabrik)

Eine Veranstaltung von VVN-BdA, Kulturprojekt 21 e.V. – Brotfabrik und Kultur im Ghetto

 

 

1) Spiegel online, Swing-Boy Uwe Storjohann: Blazer statt Braunhemd, Goodman statt Goebbels, 20.11.2016, http://www.spiegel.de/fotostrecke/hamburger-swing-boy-uwe-storjohann-fotostrecke-142656-16.html 

2) Bundesarchiv: http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/dienstorte/rastatt/raumblatt_jugendwiderstandns.pdf

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Gedenkveranstaltung: Auf dem Weg in den Tod – Festhalle 1938 || Am 11. November 2018, um 15 Uhr vor dem Haupteingang der Messe

4. November 2018

Gedenkveranstaltung: Auf dem Weg in den Tod – Festhalle 1938

 

Am 9. November 2018 jährt sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht von 1938. Damals brannten in Deutschland 1.400 Synagogen, Gebetsräume und weitere jüdische Versammlungsstätten. Mehrere tausend Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört oder geschändet. Mehr als 400 Juden wurden ermordet oder in den Suizid getrieben. In den folgenden Tagen wurden 30.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt. Hunderte verloren dort in kurzer Zeit ihr Leben. Dieses Novemberpogrom war der von den deutschen Faschisten verordnete und lückenlos geplante Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung zur systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden. Es handelte sich nicht, wie von den Nazis verbreitet, um einen Volksaufstand, sondern um Staatsterror, der zur Shoa und zur Ermordung von sechs Millionen Juden führte.

An den darauffolgenden Tagen wurden mehr als dreitausend männliche Juden verhaftet und in der Festhalle festgesetzt. Es herrschten Unsicherheit, Angst und Panik. Die Festhalle bebte unter den Angstschreien der Zusammengesperrten. Daraufhin befahl der Gauleiter der NSDAP, Jakob Sprenger, dem verhafteten Bass-Opernsänger Hans Erl, aus Mozarts Zauberflöte die Arie „In diesen heiligen Hallen“ vorzutragen. Es wurde still. Hans Erl wurde entlassen. Später, im Juni 1942, wurde er mit seiner Ehefrau Sofie Erl vermutlich im KZ Majdanek oder im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Am 11.November 2018, um 15.00 Uhr
gedenken wir vor dem Haupteingang der Messe, Friedrich-Ebert-Anlage, neben dem Messeturm, unmittelbar an der U-Bahn-Station „Messe“, dieser Verbrechen, die der deutsche Faschismus verübt hat.

Wir verbinden dieses Gedenken mit der Forderung, an diesem Platz am Haupteingang der Frankfurter Messe ein würdiges Mahn- und Gedenkareal zu errichten. Wir erheben diese Forderung, da die Gedenkplatte, die an diese Verbrechen erinnert, an der Außenfassade der Festhalle angebracht ist und sich somit auf dem nicht direkt zugänglichen Gelände der Messe befindet.

Wir fordern ein würdiges Mahn- und Gedenkareal im öffentlichen Bereich der Frankfurter Messe,

• weil die Gräueltaten des Nazi-Regimes nicht in
Vergessenheit geraten dürfen

• gerade heute, angesichts der Wahlerfolge einer Partei, die
Nazis und Naziideologie fördert, gemahnt werden muss, was
zwischen 1933 und 1945 geschah und wie es geschehen
konnte

• denn „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“, wie es
Bertolt Brecht ausdrückte

• wir für immer aufgefordert sind, dafür Sorge zu tragen, dass
Rassismus, Antisemitismus und die Verfolgung
Andersdenkender nie wieder geschehen dürfen.

Das sind wir den Opfern des Faschismus und den Widerstandskämpfern schuldig, die im April 1945, nach der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald vor aller Welt geschworen haben:
“ Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Eine Veranstaltung der VVN-BdA Frankfurt
und der Initiative 9. November

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Rechter Sprayangriff auf das DGB-Büro Odenwaldkreis

27. Oktober 2018

Am 25. Oktober 2018 wurde ein Rechter Sprayangriff auf das DGB-Büro Odenwaldkreis verübt. Solche Angriffe von Rechten auf Gewerkschaftsgebäude sowie auf Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen häufen sich wieder in letzter Zeit.

Dies zeigt uns mal wieder wie wichtig die Solidarität untereinander ist.

Wir dokumentieren im folgenden die Pressemitteilung des DGB Südhessen:

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Rechter Sprayangriff auf das DGB-Büro Odenwaldkreis –
Gewerkschaft erstattet Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt und der Polizeidirektion Erbach

 

26. Oktober 2018

ODENWALDKREIS. Auf das DGB-Büro Odenwaldkreis in Bad König, Bahnhof-straße 39, wurde ein Sprayangriff verübt. Auf die Tür des DGB-Büros wurde über den Wahlaufruf der Gewerkschaftsjugend ‚Solidarität statt Rassismus‘ sowie über die Glastür das Wort ‚Zecke‘ gesprüht.

DGB-Regionssekretär Horst Raupp (Darmstadt) macht deutlich: „‚Zecke´ ist ein einschlägiger Kampfbegriff aus dem rechtsextremen Umfeld, mit dem politisch Andersdenkende abgewertet werden sollen. Die Abwertung von Menschen als ‚Zecken‘ knüpft unmittelbar an den Sprachgebrauch des Nationalsozialismus an, der politische Gegner mit den Begriffen ‚Volksschädlinge‘ und ‚Parasiten‘ belegte. Gewalttaten der Rechtsextremen werden von diesen oft als ‚Zecken klatschen‘ bezeichnet.“

Die Straftat wurde gestern, am 25. Oktober 2018 zwischen 15.30 Uhr und 17 Uhr verübt, auffälliger Weise genau an dem Tag, als der DGB-Odenwaldkreis zusam-men mit dem Bündnis ‚Odenwald gegen rechts‘ zu einer Protestkundgebung ‚Auf-stehen gegen Rassismus‘ gegen den Wahlkampfauftritt der AfD in Erbach aufge-rufen hatte. Für den DGB liegt somit nahe, dass der Sprayangriff dem rechten Spektrum zuzuordnen ist.

Der DGB hat bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt und der Polizeidirektion Er-bach Anzeige erstattet.

Wer den Sprayangriff beobachtet hat und sachdienliche Angaben machen kann, wird gebeten, sich an den DGB Südhessen zu wenden.

Telefon 06151 39970 | E-Mail: darmstadt@dgb.de

 

Link zur Pressemitteilung (PDF): PM Sprayangriff auf das DGB Büro Odenwald

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