„Swing tanzen verboten“

11. November 2019

+++ Info +++

DAS KONZERT IST AUSVERKAUFT!

Gesprächskonzert mit Emil Mangelsdorff und Band

VVN-BdA und Brotfabrik präsentieren
Emil Magelsdorff und Band
am Donnerstag, den 14. November 2019, 20.00 Uhr,
Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4, 60488 Frankfurt-Hausen

Tickets gibt es hier!

„Alle Rädelsführer, und zwar die Rädelsführer männlicher und weiblicher Art, die feindlich eingestellt sind und die ‚Swing-Jugend‘ unterstützen, sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend zunächst einmal Prügel bekommen und dann in schärfster Form exerziert und zur Arbeit angehalten werden (…). Der Aufenthalt im Konzentrationslager muss für diese Jugend ein längerer, 2 bis 3 Jahre sein. Es muss klar sein, dass sie nie wieder studieren dürfen.“ (Heinrich Himmler [Reichsführer der SS], in einem Brief an SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich vom 26. Januar 1942) 1)

Swingboys in Barmbek ca. 1930er oder 1940er

Die „Swing-Jugend“ kämpfte auf ihre eigene Weise gegen die Vereinnahmung durch den deutschen Faschismus. Die dieser Bewegung angehörenden Jugendlichen verfolgten anfangs häufig gar keine politischen Ziele. Doch in ihrem Drang nach Unabhängigkeit gerieten sie in schärfsten Konflikt mit dem NS-Regime – ein Konflikt, der manchen Swing-Jugendlichen nun auch in politische Opposition gegen die Machthaber drängte.

Mit einer Broschüre unter dem Titel „Entartete Musik“ machten die Nationalsozialisten 1938 Stimmung gegen Musik, die nicht in ihr Weltbild passte. Die Ausstellung „Das Dritte Reich und die Musik“ zeigt im Pariser Musikmuseum bis 9. Januar 2005 wie die Kunst, vor allem aber die Musik, allmählich vom Regime vereinnahmt wurde. dpa (Zu dpa-Korr „Musik im Dritten Reich – Von Wagner, Beethoven, Orff und Weill“ vom 13.10.2004) |

Der faschistische Staat ging zunehmend aggressiv gegen die Swing-Jugend vor. Allein in Hamburg wurden bei einer „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ im August 1941 über 300 Jugendliche verhaftet und in Gestapo-Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt. 2)

Zwischenzeitlich hat die Forschung über Jugend-Widerstand während der Nazi-Herrschaft Verbindungen zwischen Swing-Jugend, Edelweißpiraten und Weiße Rose beschrieben.

Emil Mangelsdorff, 1925 in Frankfurt am Main geboren und unter den Bedingungen des Nazisystems herangewachsen, musiziert und berichtet in seiner lebhaften und humorvollen Gabe von den Erfahrungen und Erlebnissen des Jugendlichen Emil, der seine Leidenschaft zum Jazz entdeckt und entschlossen ist, Jazzmusiker zu werden.

Er gehört zu jener „Swing-Jugend“ in Frankfurt, die eine Gegenkultur zum NS-System lebt und Maßnahmen der Gestapo bis hin zur Verhaftung erträgt.

Der Staat, in dem er aufwächst, unterdrückt und verfolgt jede künstlerische Artikulation, deren Basis Freiheit und Menschenwürde ist.

Emil, von der Ausdruckskraft des Jazz, von der Vielfalt der Mittel dieser Musik beeindruckt, erfährt, dass kulturelle Neugier, Kreativität und Offenheit ausreichen, um die Staatsgewalt auf den Plan zu rufen.
Aus der Perspektive eines Jugendlichen erzählt Mangelsdorff. Eindrucksvoll und lebendig zeigt er, dass Zivilcourage und ein Bekenntnis zu kultureller Vielfalt in jeder Gesellschaft möglich und notwendig ist, dass der aufrechte Gang aber auch Spaß macht. Emil und seine Band begeistern generationenübergreifend das Publikum.

Besetzung: Emil Mangelsdorff (Altsaxophon), Thilo Wagner (Piano), Jean-Philippe Wadle/ Dietmar Fuhr (Bass), Axel Pape (Schlagzeug).

VVN-BdA und Brotfabrik präsentieren
Emil Magelsdorff und Band
am Donnerstag, den 14. November 2019, 20.00 Uhr,
Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4, 60488 Frankfurt-Hausen

Tickets gibt es hier!

Eine Veranstaltung von VVN-BdA, Kulturprojekt 21 e.V. – Brotfabrik
und Kultur im Ghetto

 

 

1) Spiegel online, Swing-Boy Uwe Storjohann: Blazer statt Braunhemd, Goodman statt Goebbels, 20.11.2016, http://www.spiegel.de/fotostrecke/hamburger-swing-boy-uwe-storjohann-fotostrecke-142656-16.html 

2) Bundesarchiv: http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/dienstorte/rastatt/raumblatt_jugendwiderstandns.pdf

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Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht: Auf dem Weg in den Tod – Festhalle 1938

4. November 2019

 

Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht: Auf dem Weg in den Tod – Festhalle 1938

In Frankfurt ließen Nazischergen und SS am Abend des 9. November 1938 die Synagogen schänden, demolieren oder niederbrennen. Es traf nicht nur die Synagoge im Westend und am Börneplatz, auch die in der Friedberger Anlage, in Höchst und weiteren Stadtteilen wurden Opfer der Flammen.

An den darauffolgenden Tagen wurden mehr als dreitausend männliche Juden verhaftet und in der Festhalle festgesetzt. Es herrschten Unsicherheit, Angst und Panik. Die Festhalle bebte unter den Angstschreien der Zusammengesperrten. Daraufhin befahl der Gauleiter der NSDAP, Jakob Sprenger, dem verhafteten Bass-Opernsänger Hans Erl, aus Mozarts Zauberflöte die Arie „In diesen heiligen Hallen“ vorzutragen. Es wurde still. Hans Erl wurde entlassen. Später, im Juni 1942, wurde er mit seiner Ehefrau Sofie Erl vermutlich im KZ Majdanek oder im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Der Name Hans Erls wird auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen genannt. Erl zu Ehren stellte man 1955 im Foyer der Oper eine von Alfred Müllergroß gestiftete und von Georg Mahr geschaffene Büste auf.

3.155 männliche Juden wurden in der Zeit vom 10. bis 13. November 1938 aus der Festhalle über den Südbahnhof in die KZ Buchenwald und Dachau gebracht.

Am 10. November 2019, um 15.00 Uhr gedenken wir an dem Platz vor der Festhalle, Friedrich-Ebert-Anlage, rechts neben dem Messeturm, dieser Verbrechen, die der deutsche Faschismus verübt hat:

  • Ansprachen: Ulrike Sautner, Mitglied des Magistrats der Stadt Frankfurt und Norbert Birkwald, Sprecher der VVN-BdA, Kreis Frankfurt
  • Musikalische Begleitung durch Mitglieder von Frankfurter Chören, unter Leitung von Ute Christmann
  • Abschließend singt Martin Höllenriegel die Arie „In diesen heiligen Hallen“.

sdr

Seit einigen Wochen gibt es hier einen würdigen Mahn- und Gedenkplatz im öffentlichen Bereich der Frankfurter Messe, mit einer Kopie der Gedenkplatte, die an der Außenfassade der Festhalle angebracht ist, einer Sitzgelegenheit unter einer Baumgruppe, um der Opfer zu gedenken.

Wir gedenken,

  • weil die Gräueltaten des Nazi-Regimes nicht in Vergessenheit geraten dürfen
  • weil gerade heute, angesichts der Wahlerfolge der AfD, die Nazis und Naziideologie fördert, gemahnt werden muss, was zwischen 1933 und 1945 geschah und wie es geschehen konnte
  • denn „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“, wie es Bertolt Brecht ausdrückte
  • weil wir für immer aufgefordert sind, dafür Sorge zu tragen, dass Rassismus, Antisemitismus und die Verfolgung Andersdenkender nie wieder geschehen dürfen.

 

Das sind wir den Opfern des Faschismus und den Widerstandskämpfern schuldig, die im April 1945, nach der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald vor aller Welt geschworen haben:

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.

Eine Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA).

PDF Flyer: GEDENKVERANSTALTUNG

Link zur Facebook Veranstaltungsseite: https://www.facebook.com/events/428701927811659/

VVN-BdA Frankfurt auf Twitter: https://twitter.com/VVNBdaFfm

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Elser – Er hätte beinahe die Welt verändert

20. Oktober 2019

 

Elser – Er hätte beinahe die Welt verändert

Am Freitag, 01.11.2019:

Einlass: 18:00 Uhr – Filmbeginn: 19:00 Uhr Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main Campus Westend, IG 457

Er wollte den Krieg verhindern. Der Film erzählt von einem Schreiner, der am 8. November 1939 in München einen Anschlag aufs Stammlokal der NSDAP, den Burgbräukeller. versuchte. Dort sollten Hitler und die NSDAP-Spitze an jenem Tag zusammentreffen. Der Anschlag misslingt und der Schreiner wird verhaftet, von der SS verhört und ins KZ Dachau gebracht.

Mit Einleitung vor Filmbeginn und anschließender Diskussion.

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antifa Erzählcafé

18. Oktober 2019

Die Frankfurter Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) lädt ein im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe

antifa Erzählcafé

Petra Gerland erzählt die Geschichte ihres Großvaters am Donnerstag, dem 31.Oktober 2019 um 19.00 Uhr, Ort: AWO, Eckenheimer Ldstr. 93, im Hinterhaus

“Wie können Sie bei Ihrem arischen Aussehen bloß so eine politische Auffassung haben?”

Mit diesen Worten wurde Karl Meier von einem Gestapo Offizier in einem der KZ empfangen, in denen er inhaftiert war. Karl Meier wurde am 19. Juli 1902 in Buchholz in einer kinderreichen Arbeiterfamilie geboren. Die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg mit Hunger, Not, Elend und dem Verlust von Familienangehörigen sowie die Ereignisse der Novemberrevolution prägten sein politisches Denken und Engagement. Schon mit 17 Jahren trat er der Gewerkschaft bei, kurz darauf der KPD. 1931 wurde er für die KPD in den Lippischen Landtag und 1932 in den Reichstag gewählt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er verhaftet, in vier verschiedene Konzentrationslager inhaftiert und schwer misshandelt. Nach der Entlassung stets überwacht, überlebte Karl Meier zum Teil in der Illegalität, in der Anonymität der Großstadt Hannover, den Krieg. Sein Überleben verdankte er vor allem der Solidarität der Bevölkerung und seiner Familie. Seine Frau Auguste Meier wurde wegen illegaler Kurierdienste ebenfalls zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach dem Krieg 1945 wurde Karl Meier von den Alliierten zum Landrat in Stadthagen ernannt. Aber schon 1947 wurde er wegen seiner Zugehörigkeit zur KPD wieder aus dem Staatsdienst entlassen. Nach einer erfolglosen Kandidatur um ein Bundestagsmandat 1949 zog er sich aus der Politik zurück und eröffnete einen Tabakladen in Stadthagen. Petra Gerland wird uns weitere spannende Geschichten über ihren Opa erzählen können.

Hier geht’s zum PDF Flyer: Flyer Karl Meier2019

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