„KLK an PTX – Die Rote Kapelle“

11. Januar 2019

Der erste Film, der in unserer antifaschistischen Filmreihe gezeigt wird, ist
KLK an PTX – Die Rote Kapelle“, am Freitag, 18. Januar 2019, Einlass: 18:00 Uhr, Filmbeginn: 19:00 Uhr
Ort: DGB Jugendclub 68, Wilhelm Leuschner Straße 69-77

Der Eintritt ist frei.

Ihnen drohte Verhaftung, Folter und Tod. Dennoch gab es Menschen, die es wagten: Als Einzelkämpfer oder in Netzwerken organisiert widersetzten sie sich dem Terror der Nazis. Der Dokumentarfilm
beschäftigt sich mit der größten Gruppe von Widerstandskämpfern im Dritten Reich.

Im Anschluss an den Film gibt es ein Filmgespräch mit Thomas Altmeyer vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945.

„Swing tanzen verboten“

11. Dezember 2018

Gesprächskonzert mit Emil Mangelsdorff und Band

VVN-BdA und Brotfabrik präsentieren
Emil Magelsdorff und Band
am Sonntag, den 24. Februar 2019, 20.00 Uhr,
Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4, 60488 Frankfurt-Hausen

„Alle Rädelsführer, und zwar die Rädelsführer männlicher und weiblicher Art, die feindlich eingestellt sind und die ‚Swing-Jugend‘ unterstützen, sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend zunächst einmal Prügel bekommen und dann in schärfster Form exerziert und zur Arbeit angehalten werden (…). Der Aufenthalt im Konzentrationslager muss für diese Jugend ein längerer, 2 bis 3 Jahre sein. Es muss klar sein, dass sie nie wieder studieren dürfen.“ (Heinrich Himmler [Reichsführer der SS], in einem Brief an SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich vom 26. Januar 1942) 1)

Swingboys in Barmbek ca. 1930er oder 1940er

Die „Swing-Jugend“ kämpfte auf ihre eigene Weise gegen die Vereinnahmung durch den deutschen Faschismus. Die dieser Bewegung angehörenden Jugendlichen verfolgten anfangs häufig gar keine politischen Ziele. Doch in ihrem Drang nach Unabhängigkeit gerieten sie in schärfsten Konflikt mit dem NS-Regime – ein Konflikt, der manchen Swing-Jugendlichen nun auch in politische Opposition gegen die Machthaber drängte.

Mit einer Broschüre unter dem Titel „Entartete Musik“ machten die Nationalsozialisten 1938 Stimmung gegen Musik, die nicht in ihr Weltbild passte. Die Ausstellung „Das Dritte Reich und die Musik“ zeigt im Pariser Musikmuseum bis 9. Januar 2005 wie die Kunst, vor allem aber die Musik, allmählich vom Regime vereinnahmt wurde. dpa (Zu dpa-Korr „Musik im Dritten Reich – Von Wagner, Beethoven, Orff und Weill“ vom 13.10.2004) |

Der faschistische Staat ging zunehmend aggressiv gegen die Swing-Jugend vor. Allein in Hamburg wurden bei einer „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ im August 1941 über 300 Jugendliche verhaftet und in Gestapo-Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt. 2)

Zwischenzeitlich hat die Forschung über Jugend-Widerstand während der Nazi-Herrschaft Verbindungen zwischen Swing-Jugend, Edelweißpiraten und Weiße Rose beschrieben.

Emil Mangelsdorff, 1925 in Frankfurt am Main geboren und unter den Bedingungen des Nazisystems herangewachsen, musiziert und berichtet in seiner lebhaften und humorvollen Gabe von den Erfahrungen und Erlebnissen des Jugendlichen Emil, der seine Leidenschaft zum Jazz entdeckt und entschlossen ist, Jazzmusiker zu werden.

Er gehört zu jener „Swing-Jugend“ in Frankfurt, die eine Gegenkultur zum NS-System lebt und Maßnahmen der Gestapo bis hin zur Verhaftung erträgt.

Der Staat, in dem er aufwächst, unterdrückt und verfolgt jede künstlerische Artikulation, deren Basis Freiheit und Menschenwürde ist.

Emil, von der Ausdruckskraft des Jazz, von der Vielfalt der Mittel dieser Musik beeindruckt, erfährt, dass kulturelle Neugier, Kreativität und Offenheit ausreichen, um die Staatsgewalt auf den Plan zu rufen.
Aus der Perspektive eines Jugendlichen erzählt Mangelsdorff. Eindrucksvoll und lebendig zeigt er, dass Zivilcourage und ein Bekenntnis zu kultureller Vielfalt in jeder Gesellschaft möglich und notwendig ist, dass der aufrechte Gang aber auch Spaß macht. Emil und seine Band begeistern generationenübergreifend das Publikum.

Besetzung: Emil Mangelsdorff (Altsaxophon), Thilo Wagner (Piano), Jean-Philippe Wadle/ Dietmar Fuhr (Bass), Axel Pape (Schlagzeug).

VVN-BdA und Brotfabrik präsentieren
Emil Magelsdorff und Band
am Sonntag, den 24. Februar 2019, 20.00 Uhr,
Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4, 60488 Frankfurt-Hausen

Eintritt: Vorverkauf: 15 €, Abendkasse 18 € (Vorverkauf: Brotfabrik)

Eine Veranstaltung von VVN-BdA, Kulturprojekt 21 e.V. – Brotfabrik und Kultur im Ghetto

 

 

1) Spiegel online, Swing-Boy Uwe Storjohann: Blazer statt Braunhemd, Goodman statt Goebbels, 20.11.2016, http://www.spiegel.de/fotostrecke/hamburger-swing-boy-uwe-storjohann-fotostrecke-142656-16.html 

2) Bundesarchiv: http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/dienstorte/rastatt/raumblatt_jugendwiderstandns.pdf

_______________________________________________________________________________________________________

Lorenz Knorr ist tot

28. November 2018

Lorenz Knorr (18.7.1921 bis 26.11.2018)

Unser Freund und langjähriger Mitstreiter Lorenz Knorr ist am vergangenen Montag,
26. November 2018 im Alter von 97 Jahren verstorben.

Lorenz hat Politik gelebt. Dem Kampf gegen Krieg und Faschismus und für eine bessere, gerechtere Welt sah er sich lebenslang verpflichtet. Er begeisterte als aufklärender Redner und überzeugte mit seiner publizistischen Arbeit wie auch als Buchautor.

Widerstand gegen Unrecht war und blieb sein Credo: Als Mitglied der sozialistischen Jugend in seiner tschechoslowakischen Heimat und im Rahmen der Wehrmacht mit der Verbindung zum emigrierten Auslands¬vorstand der SPD. Lorenz konfrontierte mutig alte Nachkriegsgeneräle mit ihren Wehrmachtsverbrechen, worauf diese ihn mit mehreren erfolglosen Gerichtsverfahren überzogen.

Im Krieg schwer verletzt führte ihn sein Weg über den Bundessekretär der Sozialistischen Jugend „Die Falken“, dem Direktorium der Deutschen Friedens-Union zum Weltfriedensrat. Er gehörte in den neunziger Jahren dem Bundesausschuss der VVN-BdA an. Er war uns stets verbunden.

Unsere Trauer um Lorenz verbinden wir in der Überzeugung, in seinem Sinn weiter zu arbeiten.

Die Trauerfeier und Beisetzung von Lorenz Knorr fand am Montag, den 17.12. um 12.45 Uhr auf dem Frankfurter Hauptfriedhof in einem sehr würdigen Rahmen statt. Die RednerInnen, die sich im Namen aller Anwesenden von Lorenz Knorr verabschiedeten, haben an das bewegte Leben von ihm erinnert.

Willi van Ooyen (Friedens- und Zukunftswerkstatt): „Er lebte Politik“

Liebe Mittrauernde,

Als ich 1972 nach Frankfurt zog, kannte ich Lorenz schon seit einigen Jahren durch seine Auftritte in Düsseldorf, Neuss und Krefeld. Er sprach in Seminaren und bei Veranstaltungen über die Aufrüstung und die aktuellen Kriegsgefahren. Er schilderte seine Erkenntnisse aus vielfältigen Gesprächen mit internationalen Friedenskräften. Erst später in Frankfurt habe ich mehr über seine biographischen Daten erfahren.

Er schilderte mir, wie er nach dem Münchener Abkommen vom 29.9.1938 in ein qualvolles sechsstündiges Kreuzverhör durch die Gestapo geriet. Lorenz nahm damals an militanten Antifa-Aktionen teil und wurde zum Militär einberufen. Weil er als „tropentauglich“ gemustert wurde, kam er  zum Afrika-Korps. Er nahm auch als Soldat an Widerstandsaktionen teil. Das Kriegsgericht verurteilte ihn wegen „Wehrkraftzersetzung“ zur Strafkompanie. Bei diesem Einsatz erlitt er eine schwere Verwundung. Ein Auge und das Gehör linksseitig waren irreparabel beschädigt.

Dies zwang ihn lebenslang zum Verzicht auf Mobilität. Dank seiner Frau Elfriede und vieler Freunde und Weggefährten konnte er aber seine Reisen zu den verschiedenen Veranstaltungen realisieren.

Nach dem Krieg und der britischen Gefangenschaft kehrte er zunächst in seine Heimat zurück. Nach seiner Wahl zum Bundessekretär der SJD – Die Falken 1950 siedelte er mit seiner Frau Elfriede und dem 1949 geborenen Sohn Reinhart nach Hannover über. Nach dem Einschwenken des Godesberger SPD-Parteitages auf die Außenpolitik Adenauers, gegen dessen Remilitarisierungs-Praktiken er Widerstand im Rahmen von SPD- und Falken-Aktionen leistete, verließ er die SPD und gründete mit einigen Mitstreiterinnen mit unterschiedlichen politischem Hintergrund die Deutsche Friedens-Union. Sein neuer Lebensmittelpunkt wurde Frankfurt.

Von 1961 bis 1984 stand er an der Spitze der DFU: vor allem gegen die geplante atomare Aufrüstung engagierte er sich. Er referierte und diskutierte auf Weltkongressen für Frieden und Abrüstung in Wien, Helsinki, Genf, Moskau, Warszawa, Praha, Stockholm, Basel, später in Chandigar, Katmandu, Kalkutta und  Neu-Delhi; auch in Bagdad, Athen und Kairo.

Ich will mich auf diese wenigen biographische Hinweise beschränken und auf die Phase konzentrieren, in der ich enger mit Lorenz zusammengearbeitet habe.

Dies waren die 70er Jahre, sie waren eine Zeit dynamischer Veränderungen. Ich will an die Nachwehen zur Notstandsgesetzgebung, der Neuformierung neofaschistischer Formationen (seit 1966 saß die NPD im Hessischen Landtag) an die Aktionen der internationalen Solidarität erinnern: Vietnam, Angola, Griechenland, Südafrika, Chile sind Stichworte für die sich Lorenz als Erklärer der politischen Zusammenhänge und Organisator für materielle Hilfe einsetzte.

Ab 1972 gab es die von Willy Brandt initiierten Berufsverbote, unter denen viele Linke und Kommunisten zu leiden hatten. Hier war konkrete Solidarität mit den Betroffenen zu organisieren.

Es war die Zeit des internationalen Aufbruchs – ich will an die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit (KSZE) in Helsinki und der parallelen Gefahr durch die gleichzeitige – auch atomare – Bedrohungen im Kalten Krieg erinnern.

Als ein Beispiel erinnere ich mich an die gemeinsame Vorbereitung und Durchführung der Aktion zum 30. Jahrestage des „Tages der Befreiung vom Faschismus“. Es war eine gewisse Widerspiegelung dieser Atmosphäre der Zeit war die große Aktion zum 30. Jahrestag des Sieges über den Faschismus am 8. Mai 1975 auf dem Frankfurter Römerberg. Neben Lorenz und anderen Rednern trat auch Klaus Uwe Benneter als damaliger JUSO-Vorsitzender bei der großen internationalen Kundgebung mit über 30.000 Menschen auf.  Benneter wurde prompt abgelöst und aus der SPD ausgeschlossen, weil Gemeinsamkeiten mit Kommunisten durften nicht sein. Sein Nachfolger wurde übrigens Gerhard Schröder, der Benneter 1983 in die SPD zurückholte.

Ich sagte schon, dass Lorenz viele internationale Kontakte hatte. Es entstanden viele –  auch persönliche Freundschaften.

Dabei spielte der Weltfriedensrat mit Sitz in Helsinki und der legendäre Romesh Chandra eine wichtige Rolle. Ich erlebte beide bei Treffen des Weltfriedensrates – mehrmals in Moskau. Aber auch im Urlaub, den er in der Regel für die Genesung und Stabilisierung der Gesundheit nutzte. Er bevorzugte das ungarische Heviz – in der Nähe des Plattensees. Aber auch dort traf er sich mit Vertretern der Politik und den Friedenskräften aus aller Welt – wie ich es bei einem gemeinsamen Urlaub in Ungarn erlebt habe.

Der Kampf gegen die Atomraketen nach der Entdeckung der „Raketenlücke“ 1978 durch Helmut Schmidt war sicherlich eine der aktivsten Phasen von Lorenz. Die Beteiligung an den Aktionen und Veranstaltungen einer aufblühenden Friedensbewegung war für ihn Pflicht. Er lebte Politik; gemeinsam mit einer immer größer werdenden Aktivenzahl war er bei den Aktionen präsent. Es war nach 1968 eine Blütezeit für Linke und die Friedensbewegung. Ich will nur noch an den Krefelder Appell erinnern und die vielfältigen Initiativen von Künstlern, Sportlern, Wissenschaftlern und Gewerkschaftern.

Ein Beispiel für seine Zielstrebigkeit war sein Einsatz im Rahmen der Reform und Ausweitung des Hochschulsystems. Es ging um die „Reformuniversität Oldenburg“. Sie wurde am 5. Dezember 1973 gegründet. 1974 wurde der Lehrbetrieb mit 2.400 Studierenden aufgenommen. Lorenz erkämpfte sich einen Platz als Lehrbeauftragter.  Die Benennung nach dem Nobelpreisträger und Widerstandskämpfer Carl von Ossietzky lehnten die Landesregierungen unter den Ministerpräsidenten Alfred Kubel und Ernst Albrecht ab. Erst 1991 wurde die Universität nach Carl von Ossietzky benannt. Diese Beharrlichkeit, am Thema dranzubleiben, hat uns beeindruckt; manchmal auch seinen „Knorrigkeit“ – wenn  es nicht ganz so ging, wie er vorschlug – hat uns nachdenklich gemacht. (Aber es dauerte meistens nur bis zur Vorbereitung der nächsten Erklärung oder Veranstaltung.)

Das Beispiel von Lorenz Knorr, der als Jugendlicher aktives Mitglied des ATUS (Arbeiter Turn- und Sportverband) war und die Roten Falken Seminare über Karl Marx und Sozialismus besuchte, mahnt uns in seinem Sinne weiter zu lernen, zu diskutieren und zu kämpfen.

Vielen Dank Lorenz.

Lorenz Gösta Beutin (MdB, DIE LINKE): „Sand ins Getriebe streuen“

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

Willi van Ooyen hat mich gebeten, einige persönliche Worte an Euch zu richten. Auch wenn Lorenz immer auch politischer Mensch war, ich will es versuchen: Auf der Hinfahrt hierher habe ich mir noch einmal einige Videos mit Lorenz Knorr angeschaut, Aufzeichnungen von Vorträgen und Interviews. Genauso, wie ich ihn da sehe, so habe ich ihn Erinnerung: wach, klar, entschieden, analytisch.

In einem Video des „European Restistance Archive” von 2011 berichtet er über den antifaschistischen Widerstand, über die grundsätzliche Entscheidung, die er damals getroffen hatte, seine Motivation:

„Da war also klar, Du wirst überlegt Sand ins Getriebe streuen, so gut Du kannst und solange Du atmen kannst.“

Der Satz steht nicht nur für seinen Widerstand bis 1945, er kann als Maxime seines gesamten Lebens gelten, als sein Vermächtnis.

Ich kenne Lorenz, solange ich denken kann: Als Kleinkind, wie ich mich unter dem Wohnzimmertisch bei uns zu Hause verkrieche, nicht ins Bett will, noch das Spannende hören will, was Lorenz und Elfriede mit meinen Eltern, Heidi und Wolfgang Beutin, zu besprechen haben. Erinnere mich an das Kaffeetrinken auf der Terrasse, die Gespräche über die aktuelle Weltlage, die Wichtigkeit für den Frieden einzutreten, oder unsere Besuche in Frankfurt.

Die zahlreichen Briefe und Büchersendungen von Lorenz, in denen er immer ernsthaft mit mir, dem Heranwachsenden, im Gespräch war, auf meine Frage einging, mir berichtete aus seinem Leben, sie habe ich alle in einem dicken Ordner aufbewahrt. Und meine kleine Bibliothek zu Hause in Kiel ist gut bestückt mit Büchern, die er mir geschenkt hat, von ihm oder solche, die er für wichtig hielt.

Seinen Namen zu tragen, am gleichen Tag wie Lorenz Geburtstag zu haben, macht mich stolz. 2006 konnte ich so seinem 85. Geburtstag ein Buch mit seinen Texten herausgeben, „Aufklärung, Frieden, Antifaschismus“ – den drei Themen, denen Lorenz sein Leben gewidmet hat. Aus diesem Anlass, auch jetzt beim nochmaligen Durchblättern, ist mir noch wieder klar geworden, wie universell Lorenz Verständnis von Aufklärung, vom Kampf für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen, war.

Klar, zu seinem Kernbereich gehörte der Antifaschismus, das Berichten über den antifaschistischen Widerstand, die Zeitzeugenerfahrung, der Kampf gegen das faschistische Erbe der Bundeswehr im „Generalsprozess“, gegen die Wehrmachtsgeneräle, mit internationaler Unterstützung aus vielen Ländern, als er vom Angeklagten zum Ankläger wurde. Ebenso zentral gehörte dazu, aus dieser Erfahrung erwachsend, das friedenspolitische Engagement, in der DFU, in der Friedensbewegung.

Doch daneben widmete er sich den unterschiedlichsten zeitpolitischen, historischen, ökonomischen und philosophischen Fragen:

Lorenz schrieb über die Folgen der Globalisierung, die Auseinandersetzung um eine europäische Verfassung, über die Gefahren und Methoden der Kulturindustrie und Konzepte linker Gegenmacht, Instrumente psychologischer Kriegsführung und Massenbeeinflussung oder aber das humanistische Menschenbild von Karl Marx und die daraus erwachsende Ablehnung eines Avantgardeanspruchs:

„Wenn Kräfte mit nicht gleicher Ideologie für eine ausbeutungs- und kriegsfreie Gesellschaft der Freien und Gleichen antreten, erlischt der Führungsanspruch einer Gruppe… Es gibt keine ‚Auserwählten‘, sondern nur noch Bewährte und Gewählte.“ Gerade angesichts heutiger Anforderungen an humanistische Kräfte eine wichtige Einsicht.

Wenn ich hier heute stehe, dann stehe ich hier auch deshalb, weil ich einen Teil meines Weges mit Lorenz gehen konnte, so wie viele Anwesende hier. Die Basis meines politischen Wirkens, meine festen Grundpfeiler, auf denen ich stehe, die mich bis hierhin begleitet haben und weiter tragen werden, sind der Antifaschismus und die Friedenspolitik, ist die Grundüberzeugung, dass es notwendig ist, dass die Welt eine andere werde und dass wir alle daran mitwirken können.

„Nach Rückschlägen vorwärts“ – so lautete die unzerstörbare Überzeugung von Lorenz, die ihm seinen Optimismus in allen Lebensabschnitten gab. Er formulierte das so:

„Die wissenschaftlich-technischen und die finanziellen Kapazitäten für eine zivile Politik sind in ausreichendem Maße vorhanden. Es liegt an den Menschen, humane Verhältnisse zu schaffen oder im Chaos unterzugehen. Der Überlebenswille für eine vernünftig geordnete Welt hat alle Chancen, sich durchzusetzen. Das aber setzt einen demokratischen Aufbruch voraus.“

Auch wenn Lorenz heute nicht mehr unter uns ist, er ist für uns immer gegenwärtig, mit seinem Denken und Handeln. Die, die wir heute hier versammelt sind, tragen seinen Optimismus, seine Humanität, den unverbrüchlichen Glauben an die Aufklärung weiter.

Wir halten die Flamme am Brennen.

Peter Christian Walther (VVN-BdA): „Gründliches Studium der Ursachen, der Zusammenhänge und der Wirkungen politischer und gesellschaftlicher  Entwicklungen und deren Einschätzung“

Mit dem Tod von Lorenz Knorr hat uns ein Zeit seines Lebens engagierter Kämpfer gegen Krieg und Faschismus verlassen.

Bereits in jungen Jahren hat er sich in seiner tschechoslowakischen Heimat als junger Sozialist gegen den Faschismus, insbesondere gegen die Henlein-Faschisten gewandt, und dies erst recht, als die Nazis seine Heimat besetzten und unter ihre Herrschaft brachten. Lorenz blieb im Widerstand aktiv auch als er in die  Wehrmacht eingezogen wurde. Er wirkte mit an Aktionen gegen Kriegstransporte und Munitionslager.

Nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus  und der Umsiedlung nach Deutschland blieb er selbstverständlich politisch aktiv. Darüber hat Willi van Ooyen bereits vieles gesagt.

Zusätzlich zu seiner umfangreichen politischen und publizistischen Arbeit  in der Friedensbewegung engagierte sich Lorenz auch in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, VVN – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, besonders zu Beginn der 90er Jahre bei der Sicherung der Existenz und dem weiteren Wirken der VVN. In dieser Zeit war er auch einer der Bundessprecher der VVN-BdA.

Lorenz wirkte mit bei Aktionen und Aktivitäten gegen alte und neue Nazis. Er wandte sich bereits in den Anfangsjahren der Bundesrepublik in Wort und Tat gegen die Restaurierung alter Machtverhältnisse und besonders gegen die Remilitarisierung. Dabei verwies er auf die Tätigkeit von Offizieren und Generälen der Nazi-Wehrmacht beim Auf- und Ausbau in der Bundeswehr.

Weil diese Offiziere und Generäle der Nazi-Wehrmacht in ihrer Funktion und Tätigkeit wesentlich mitverantwortlich waren für die Ermordung Hunderttausender Menschen in den überfallenen Ländern und Gebieten, bezeichnete Lorenz sie als Massenmörder. Daraufhin zeigten mehrere dieser Generäle ihn an und überzogen ihn mit Prozessen.

Lorenz blieb bei seiner Position.  Viele Antimilitaristen und Antifaschisten im In- und Ausland verfolgten mit Interesse diese sogenannten Generals-Prozesse und solidarisierten sich mit Lorenz. Nicht zuletzt aufgrund dieser Unterstützung, des öffentlichen Interesses und des Einsatzes seiner Verteidigung gingen die von den Generälen angestrengten Prozesse nach hinten los. Sie erreichten schließlich keine Verurteilung von Lorenz –  und damit ihre eigene.

So wie in der Zeit vor und während dieser Prozesse waren gründliches Studium der Ursachen, der Zusammenhänge und der Wirkungen politischer und gesellschaftlicher  Entwicklungen und deren Einschätzung seine besondere Stärke.

Sein umfangreiches Wissen, sein konsequentes Auftreten und seine Argumentationsstärke zeigten sich auch bei seinen Aktivitäten als Zeitzeuge in Schulen und Bildungseinrichtungen, vor Jugendorganisationen, auf Versammlungen und Konferenzen.

Er war immer ansprechbar und hilfsbereit, wenn er gefragt wurde, ob er an einem Vorhaben mitwirken, ein Projekt unterstützen, einen Artikel verfassen oder einen Vortrag halten könne.

Lorenz war ein scharfer Kritiker antidemokratischer und friedensgefährdender Entwicklungen und Zustände, so wie er auch ein starker Verfechter war von möglichst breiten Bündnissen gegen alles, was Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit in Frage stellen könnte.

Ich selbst habe Lorenz bereits  in den 60er Jahren kennengelernt, als wir uns, beide aus der SPD kommend, u.a. in der Vereinigung Unabhängiger Sozialisten (VUS) engagierten und später in den 90er Jahren Funktionen in der VVN-BdA übernahmen.

Im Namen der VVN-BdA möchte ich noch einmal hervorheben, dass Lorenz Knorr uns ein wertvoller Mitkämpfer gegen Krieg und Faschismus, gegen alte und neue Nazis, ein treuer Kamerad, ein lieber und geschätzter Freund war.

In Achtung und Dankbarkeit  für sein Engagement und seine Treue verabschieden wir uns heute von ihm. Er bleibt in unserer Erinnerung. Wir werden ihn nicht  vergessen.

Klaus Hartmann (Deutscher Freidenkerverband e.V.): „Vorwärts – Trotz alledem!“

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Trauernde,
wir, die Freidenker, trauern um Lorenz Knorr.

Neben den vielen schon erwähnten und auch nicht genannten Engagements war Lorenz auch und bis zuletzt Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes, zudem Ehrenmitglied im Landesverband Hessen und im Kreisverband Frankfurt am Main.

Wir schätzten ihn und, man muss sagen: wir verehrten ihn, weil er mit seiner Persönlichkeit und mit seinem Wirken uns unendlich viel gegeben hat, uns belehrt hat, uns reicher gemacht hat, uns nahe gekommen ist.
„Lorenz lebte Politik“ – so der erste Satz in unserer gemeinsamen Traueranzeige, und wenn auch Politik nicht alles war, so war sein Leben doch durch und durch politisch. Es waren zunächst die Zeitumstände, der heraufziehende Faschismus, der barbarische Krieg, die keine andere Wahl ließen, die Entscheidungen verlangten. Andere trafen eine andere Wahl, wählten den Weg des geringeren Widerstands, der Anpassung, des Mitmachens. Für Lorenz undenkbar – er lernte früh, was es heißt, Grundsätze, Prinzipien zu haben, ihnen treu zu bleiben und in Übereinstimmung mit ihnen zu handeln, seine Klasse nicht zu verraten,
Solidarität zu praktizieren.

Anpassen an die faschistische Herrschaft oder alle Kraft für den Widerstand – das war für Lorenz keine Frage. Lorenz entschied sich dafür, dem faschistischen Ansturm auf die Tschechoslowakische Republik gemeinsam mit seinen Genossinnen und Genossen entgegenzutreten, den faschistischen Krieg zu sabotieren. Diese frühen ihm abverlangten Entscheidungen prägten sein politisches Leben, seine Wertschätzung für Grundsätze und Prinzipienfestigkeit. Es war ein Leben für den Frieden und den Sozialismus – und bald nach der Befreiung vom Faschismus waren wieder Entscheidungen gefordert: Für ein friedliches Deutschland – oder Wiederbewaffnung, NATO-Mitgliedschaft, Atomrüstung? Die SPD-Führung entschied sich für den Weg des Militarismus und Imperialismus, mit dem Godesberger Programm wurde der Abschied vom Marxismus und der Frieden mit dem Kapitalismus besiegelt, mit zahlreichen Unvereinbarkeitsbeschlüssen – sogar gegen die Ostermarschbewegung – beteiligte sich die SPD in der Hochzeit des Kalten Krieges an der „Hexenjagd gegen alles Linke“ (Die Zeit, 12. April 1974). Diesen Weg konnte Lorenz nicht mitgehen und entschied sich, trotz des Lockens Herbert Wehners mit einer hauptamtlichen Parteikarriere, für den Parteiaustritt.

Die Hauptaufgaben und Wirkungsfelder von Lorenz sind mit Aufklärung, Frieden, Antifaschismus ausgewiesen – wie das Motto unserer Konferenz 2006 zu seinem 85. Geburtstag und auch der aus diesem Anlass erschienene Band mit ausgewählten Schriften von ihm lautete. Aber diese Anliegen können nach seiner Auffassung nur wirksam werden, wenn dem „rapiden Kulturverfall von weltgeschichtlicher Dimension“ Einhalt geboten, eine „alternative Kultur des Widerstandes“ gegen die „Sinnentleerung des Lebens“ entwickelt wird und „sich die antiimperialistischen Kräfte nicht mehr von der Hegemonie des gegenwärtig herrschenden Systems einschüchtern“ lassen, wie er in seinem Referat zum Freidenker-Kulturseminar auf Burg Waldeck 2005 hervorhob.

Aus seiner Erfahrung in der sozialistischen Jugendarbeit wusste Lorenz, dass die künstlerischkreative Selbstentfaltung nicht nur dem Erlernen von Autonomie und Selbstbestimmtheit dient, sondern ein wichtiges Element ist, um nicht nur den Verstand anzusprechen, sondern „den ganzen Menschen“ mit seiner Emotionalität für den Kampf zu begeistern.

Lorenz war immer der Mann der klaren Gedanken und ebensolcher Worte. Kein „Um-den-heißen- Brei-Herumreden“, sondern zu „sagen, was ist“ war sein Motto. Das Verschweigen der Wahrheit aus Opportunismus oder falscher Rücksichtnahme kam für ihn nicht in Frage, auch kein Ausweichen auf „unverfängliche“ Themen, die bei den Herrschenden und den ihnen (ge)hörigen Medien keinen Anstoß erregen.
Die „Delegitimierung der DDR“ nannte er eine Geschichtsfälschung, die als „Instrument der Systemstabilisierung“ dient. Lorenz wünschte sich „einen nichtangepassten DGB“, der „für die weitere kapitalistische Ausplünderung und Herrschaft eine potenzielle Gefahr werden“ könne.

Lorenz warnte, dass die Krise des Kapitalismus die der Profitwirtschaft innewohnenden Expansionskräfte hervortreten lasse, deren Aggressivität sich in „Weltordnungskriegen“ Bahn breche; dass man derzeit „auch ohne einflussreiche Neofaschisten“ auskomme, aber auch die von den derzeit mächtigeren Akteuren ausgehenden Gefahren müssten beim Namen „Rechtsextremismus“ genannt werden.

Ein „neuer gefährlicher Geschichtsrevisionismus mit globalem Anspruch“ sei das Ergebnis der „neoliberalistischen Deregulierung“, die mit einer „Entregelung der zwischenstaatlichen Beziehungen“ das „demokratische Völkerrecht der UN-Charta“ und „den Weltfrieden untergräbt“, warnte Lorenz im März 2003 beim Weltkongress der Freidenker in Prag.

Unbeeindruckt von der antiserbischen Propaganda, die den NATO-Überfall auf Jugoslawien vorbereitete, wurde Lorenz Gründungsmitglied des Internationalen Komitees Slobodan Milošević.
Unbeeindruckt von den Kriegslügen und der Dämonisierung zwecks Start des Irak-Krieges unterstützte er die Solidarität mit dem Irakischen Widerstand gegen die US-Besatzung.

Lorenz‘ überreiche politische Erfahrung, gepaart mit dem klaren weltanschaulichen Fundament eines gebildeten Marxisten, gestatteten ihm Erkenntnisse zu den Entwicklungen der Gegenwart und dem Gang der Geschichte, die über jene vieler seiner Kampfgefährten hinausgingen.

Aber er vertrat seine Positionen nie dogmatisch oder unduldsam, Überlegenheitsgehabe und Arroganz waren ihm fremd. Er versuchte, mit Argumenten zu überzeugen, Andere zum gemeinsamen Lernen und solidarischen Handeln zu motivieren.

Sein eigenes zentrales Anliegen war die Einheit der Friedens- und antifaschistischen Kräfte, gegründet nicht auf dem „kleinsten gemeinsamen Nenner“, sondern das im ständigen geduldigen Ringen erreichbare Maximum an Klarheit und Konsequenz: Das Trennende beiseiteschieben, das Verbindende, Gemeinsame aufspüren und entwickeln.

Ausgehend von Georgi Dimitroffs Überzeugung, dass an Faschismus und imperialistischem Krieg nur eine kleine Minderheit der Exponenten des Finanzkapitals ein Klasseninteresse haben, war Lorenz der Überzeugung, dass für den Kampf um Frieden und Antifaschismus die übergroße Mehrheit gewonnen werden kann und muss. Dieser Kampf darf nicht sektiererhaft, nach dem Motto „klein, fein und rein“ angelegt werden, sondern muss weltanschauungs- und parteiübergreifend sein. Wie schon in der Deutschen Friedens-Union Atheisten und religiös gläubige Menschen zusammenwirkten, Kommunisten, Sozialdemokraten und Parteilose, bürgerlich-Konservative, Arbeiter, Unternehmer, Pazifisten und ehemalige Generäle, geeint im antifaschistischen Konsens: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“

In einer Zeit, in der führende US-Militärs einen Krieg gegen China „in 10-15 Jahren“ für „sehr wahrscheinlich“ halten und der britische Generalstabschef fordert, sich „aktiv auf einen Krieg mit Russland“ vorzubereiten, ist es für uns von größter Wichtigkeit und Dringlichkeit, dieses Vermächtnis von Lorenz zu bewahren, und mit aller Kraft für die Erhaltung des Weltfriedens weiterzukämpfen. Als philosophischer Materialist wusste Lorenz, dass es kein „Leben nach dem Tod“ gibt, sondern der Mensch in seinen Taten weiterlebt, an die sich seine Kampfgefährten und Freunde erinnern.

Am 11. November, 15 Tage vor seinem Tod, sahen wir Lorenz zum letzten Mal. Trotz seiner Einschränkungen war er optimistisch gestimmt. Zum Abschied sagte er mit einem Lächeln und festem Blick, mit geballter, erhobener Faust: „Vorwärts – Trotz alledem!“
Es waren seine letzten Worte, die wir von ihm hörten. Sie bleiben uns Verpflichtung, so behalten wir ihn in Erinnerung, so wollen wir von ihm Abschied nehmen.

Heike (Sozialistische Jugend – Die Falken): „Deutliche Spuren seines Wirkens“

Stellvertretend für Bodo Brücher gedenke ich Lorenz Knorr. Bodo war ein Weggefährte von Lorenz. Er ist 90 Jahre alt und kann heute aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen.

Wir die Falken und das Archiv der Arbeiterjugendbewegung und der Förderkreis Dokumentation der Arbeiterjugendbewegung nehmen Abschied von Lorenz Knorr. Er war in den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts einer der hervorragenden Führungskräfte der Sozialistischen Jugend Deutschlands. Über sein Ausscheiden aus dem Verband hinaus hat er durch seine Mitarbeit bei der Aufarbeitung der Geschichte des Jugendverbandes mitgewirkt.

Durch sein Wirken und seine Bücher wie das Zeltlagerbuch ist er noch heute Teil unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Seine Veröffentlichungen zur sozialistischen Erziehungsarbeit sind ein entscheidender Beitrag, der bedeutungsvoll ist und es auch bleibt.

Lorenz Knorr gebührt Dank und Anerkennung für seine Leistung.

Lorenz Knorr war nach dem Krieg zunächst in Bayern tätig als Mitglied des Landesvorstandes. 1947 wurde er Landessekretär in Bayern und 1948 Mitglied des Bundesvorstandes der „Falken“.

Ab 1950 arbeitete Lorenz als hauptamtlichen Mitarbeiter  bei den Falken und war vor allem für die pädagogische Arbeit, für Bildungsfragen und für die Redaktion der Zeitschriften tätig. Bis zu seinem Ausscheiden 1960 aus dem Verband.

Als Vorsitzender der Programmkommission Ende der Fünfzigerjahre bemühte sich Lorenz Knorr um die Begründung eines zeitgemäßen Konzeptes sozialistische Bildung und Erziehung. Sowohl im pädagogisch – wissenschaftlichen Dialog wie an der Grundsatzdiskussion der Internationalen Falkenbewegung wirkte er mit richtungweisend mit. Der internationale Falkenstaat „junges Europa“ 1952  ließ zudem deutlich die Spuren seines Wirkens erkennen.

Das gilt auch für andere große Projekte, die er maßgeblich konzipierte und organisierte. Beispielhaft steht hierfür das große Stadtspiel mit  400 Gruppenleiterinnen in Frankfurt 1953.

Modellhaft war der Entwurf eines dreistufigen Bildungsplanes für den Verband sowie die von ihm gemeinsam mit den  Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirates durchgeführten Modellseminare zur Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen Sozialismus. Wir neigen uns in Ehrfurcht und Respekt vor einer der bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen und internationalen Arbeiterjugendbewegung. Wir werden Lorenz Knorr ein ehrendes Andenken bewahren.

Freundschaft.

Mehr zum Leben von Lorenz Knorr: https://hessen.vvn-bda.de/lorenz-knorr/ 

___________________________________________________________________________________________

Gedenkveranstaltung: Auf dem Weg in den Tod – Festhalle 1938 || Am 11. November 2018, um 15 Uhr vor dem Haupteingang der Messe

4. November 2018

Gedenkveranstaltung: Auf dem Weg in den Tod – Festhalle 1938

 

Am 9. November 2018 jährt sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht von 1938. Damals brannten in Deutschland 1.400 Synagogen, Gebetsräume und weitere jüdische Versammlungsstätten. Mehrere tausend Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört oder geschändet. Mehr als 400 Juden wurden ermordet oder in den Suizid getrieben. In den folgenden Tagen wurden 30.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt. Hunderte verloren dort in kurzer Zeit ihr Leben. Dieses Novemberpogrom war der von den deutschen Faschisten verordnete und lückenlos geplante Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung zur systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden. Es handelte sich nicht, wie von den Nazis verbreitet, um einen Volksaufstand, sondern um Staatsterror, der zur Shoa und zur Ermordung von sechs Millionen Juden führte.

An den darauffolgenden Tagen wurden mehr als dreitausend männliche Juden verhaftet und in der Festhalle festgesetzt. Es herrschten Unsicherheit, Angst und Panik. Die Festhalle bebte unter den Angstschreien der Zusammengesperrten. Daraufhin befahl der Gauleiter der NSDAP, Jakob Sprenger, dem verhafteten Bass-Opernsänger Hans Erl, aus Mozarts Zauberflöte die Arie „In diesen heiligen Hallen“ vorzutragen. Es wurde still. Hans Erl wurde entlassen. Später, im Juni 1942, wurde er mit seiner Ehefrau Sofie Erl vermutlich im KZ Majdanek oder im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Am 11.November 2018, um 15.00 Uhr
gedenken wir vor dem Haupteingang der Messe, Friedrich-Ebert-Anlage, neben dem Messeturm, unmittelbar an der U-Bahn-Station „Messe“, dieser Verbrechen, die der deutsche Faschismus verübt hat.

Wir verbinden dieses Gedenken mit der Forderung, an diesem Platz am Haupteingang der Frankfurter Messe ein würdiges Mahn- und Gedenkareal zu errichten. Wir erheben diese Forderung, da die Gedenkplatte, die an diese Verbrechen erinnert, an der Außenfassade der Festhalle angebracht ist und sich somit auf dem nicht direkt zugänglichen Gelände der Messe befindet.

Wir fordern ein würdiges Mahn- und Gedenkareal im öffentlichen Bereich der Frankfurter Messe,

• weil die Gräueltaten des Nazi-Regimes nicht in
Vergessenheit geraten dürfen

• gerade heute, angesichts der Wahlerfolge einer Partei, die
Nazis und Naziideologie fördert, gemahnt werden muss, was
zwischen 1933 und 1945 geschah und wie es geschehen
konnte

• denn „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“, wie es
Bertolt Brecht ausdrückte

• wir für immer aufgefordert sind, dafür Sorge zu tragen, dass
Rassismus, Antisemitismus und die Verfolgung
Andersdenkender nie wieder geschehen dürfen.

Das sind wir den Opfern des Faschismus und den Widerstandskämpfern schuldig, die im April 1945, nach der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald vor aller Welt geschworen haben:
“ Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Eine Veranstaltung der VVN-BdA Frankfurt
und der Initiative 9. November

——————————————————————————————————————————————-

Ältere Nachrichten ·