virtuelle Bücherlesung 2020

21. April 2020

 

ganz analog: Blumen an der Gedenkplatte

Wir danken allen Teilnehmer*innen für ihre Beiträge.


 

8. Mai 2020: 75 Jahre Befreiung

30. April 2020

Die Verbreitung unseres Aufrufs zum 75. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg haben wir uns anders vorgestellt. Wir waren weit in der Planung eines Befreiungsfests auf dem Frankfurter Römerberg. Die Stadt Frankfurt wollte eine würdige Feier in der Paulskirche voranstellen. Und damit ihren Beitrag leisten, damit in unserer Stadt deutlich wird: Wir feiern die Befreiung. Was sonst? Es kam anders. Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben lahm gelegt. Wir können es im Interesse der Gesundheit der Teilnehmer*innen nicht verantworten, zu einer Feier einzuladen. Die Feierlichkeit in der Paulskirche wurde abgesagt. Doch wir lassen es uns auch in dieser Zeit nicht nehmen, Position zu dem historischen Ereignis zu beziehen, das vor 75 Jahren stattfand. Und ein „Gutes“ hat diese Situation auch: bei unserem Aufruf brauchen wir keine große Rücksicht nehmen auf einen Aufruf, der auf ein Blatt Papier passen muss…

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Niederlage des deutschen Faschismus. Die Befreiung der KZ-Häftlinge und das Ende der Terrorherrschaft über weite Teile Europas ist für uns ein Grund zum Feiern. Angesichts von Faschisten in den Parlamenten und zuletzt wieder zunehmenden rassistischen und antisemitischen Anschlägen ist dieser Tag auch ein Anlass um den Kampf gegen jede Form der Diskriminierung und Menschenverachtung zu erneuern.

 

Befreiung! Was sonst?

Es war die Niederlage für Täter*innen, Profiteure und Mitläufer*innen. Es waren die Verfolgten des Hitler-Faschismus, die Widerstandskämpfer*innen, die Befreiten aus Konzentrationslagern und Zuchthäusern, die Frauen und Männer, die aus dem Exil zurückkehrten, die den 8. Mai 1945 als Befreiung erfuhren.  Sie hatten noch auf den Plätzen der befreiten Konzentrationslager geschworen, ihren Kampf erst einzustellen, wenn der letzte Schuldige bestraft sei, wenn die Wurzeln von Faschismus und Krieg endgültig beseitigt seien.

Der Weg für Anti-Faschismus, Anti-Militarismus und Anti-Monopolismus war frei.

Nach dem Neubeginn: Die Ewiggestrigen bedrohen die Gesellschaft

Doch mit dem Beginn des Kalten Krieges kam alles anders. Ein Rüstungswettlauf setzte ein mit immer gefährlicheren Waffen statt Abrüstung, Entspannung und politischen Konfliktlösungen.  Neue Waffen sollen auch Atomkriege wieder gewinnbar machen. Eine friedenspolitische Wende bleibt in weiter Ferne.

Nicht nur das. In den Parlamenten, der Publizistik, der Justiz, der Verwaltung, den Geheimdiensten und der öffentlichen Meinung nistete sich der überwunden geglaubte Geist zum Großteil mit dem vertrauten Personal ein. Die Verfolgung der faschistischen Verbrechen wurde weitgehend eingestellt und bereits Verurteilte wieder rehabilitiert. Faschistisches Gedankengut wird ungestraft geäußert.

Viele Opfergruppen wurden auch im Nachkriegsdeutschland wieder verfolgt oder offen diskriminiert: Schwule wurden nach dem §175 verurteilt. Nach dem Verbot der KPD wurden Kommunist*innen und konsequente Demokrat*innen wegen Weiterbetätigung verfolgt. Die Bürgerrechtsbewegung der Roma und Sinti erreichte erst 1982, dass die Bundesrepublik Deutschland den begangenen Völkermord anerkannte. Jüd*innen waren und sind einem breiten gesellschaftlichen Antisemitismus ausgesetzt. Die Rehabilitierung der als asozial verfolgten Opfer des NS-Regimes erfolgte erst in diesem Jahr.

Die wenig konsequente Entnazifizierung ist eine der Grundlagen für rassistische und neonazistische Bewegungen im heutigen Deutschland.

Für Demokratie und Abrüstung

8. Mai 2019 auf dem Römerberg, bei strömendem Regen aber Super-Stimmung

Es brennen Unterkünfte von Geflüchteten, es werden Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihrer politischen Überzeugung ermordet. Die deutsche Geschichte wird immer häufiger verzerrt dargestellt, die deutsche Schuld geleugnet. Faschistisches Gedankengut wird wieder ungestraft geäußert. Die ersten Anzeichen, sich mit Nazis und Rassist*innen aus Gründen des Machterhalts gemein zu machen, mussten wir erst kürzlich im thüringischen Landtag erleben.

Deshalb ist es jetzt an der Zeit, AfD, Uniter und Co. aufzuhalten. Noch ist es Zeit, sie daran zu hindern, dass die demokratische Übereinkunft nach 1945 vergessen und verdammt wird.

75 Jahre nach dem Sieg über den deutschen Faschismus steht dieses historische Datum im Zeichen einer schweren Konfrontation mit Russland. Das geplante Manöver Defender 2020 der NATO an der russischen Westgrenze wurde zunächst von Corona in die Knie gezwungen, aber damit nicht aufgehoben. Wir lehnen diese Kriegsübung wegen ihres konflikteskalierenden Charakters, ihrer Belastung für die Umwelt und aus friedenspolitischen Erwägungen entschieden ab.

Wir fordern:

  • Faschistisches Gedankengut darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben, schon gar nicht bei der Polizei und in der Bundeswehr
  • Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus gehören nicht zu unserem Zusammenleben.
  • Ächtung rechtsextremistischer und (neo-)faschistischerer Parteien und Organisationen.
  • Ein Zeichen, dass wir die Lehren aus den finsteren Jahren 1933 bis 1945 verstanden haben ist, den 8. Mai endlich zu einem Feiertag zu machen.
  • Konfliktlösung mit friedlichen Mitteln statt Aufrüstung,
  • Verbot von Rüstungsexporten und
  • Stärkung der UNO statt völkerrechtswidriger Kriege.
  • Gerade in der heutigen Zeit der Corona-Pandemie zeigt sich, wo Geld gebraucht wird:
    Mehr Investitionen bei Schulen und Kitas, sozialem Wohnungsbau, Krankenhäusern, kommunaler Infrastruktur, Alterssicherung und ökologischem Umbau.

Die Forderung von UN-Generalsekretär Guterres zu einem „sofortigen weltweiten Waffenstillstand“ muss jetzt realisiert werden.

Verbreitet diesen Aufruf über alle Wege und Kanäle, die uns zur Verfügung stehen.

Unterzeichnende:

Alevitische Gemeinde Frankfurt – ANPI Frankfurt – AStA Goethe-Universität – Aufstehen gegen Rassismus Region Rhein-Main – Bildungsstätte Anne Frank – BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Frankfurt – Children’s Hope Home e. V. – Club Voltaire – DIDF Frankfurt – DIDF Jugend Frankfurt – DIE LINKE. im Römer – DIE LINKE. Frankfurt am Main – DGB Frankfurt – DKP Frankfurt/Main – Ettie und Peter Gingold Erinnerungsinitiative, Frankfurt am Main – Förderverein Roma – Frankfurter Jugendring – Friedens- und Zukunftswerkstatt – FV Gedenkstätte KZ-Katzbach/Adlerwerke – Gegen Vergessen – Für Demokratie / Rhein-Main – Grüne Jugend Frankfurt – Jusos Frankfurt – Leben und Arbeiten in Gallus und Grieheim e. V. – Main-Taunus – Deine Stimme gegen Rechts – Naturfreunde Frankfurt – Naturfreundejugend Hessen – Piratenpartei Deutschland Kreisverband Frankfurt – Schultheater-Studio Frankfurt – SPD Bezirk Hessen-Süd – Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane e. V. – Stiftung Solidarität Frankfurt – Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e. V. – Türkisches Volkshaus Frankfurt e.V. – VVN-BdA Kreisvereinigung Frankfurt – Zentralrat der Muslime in Hessen

 

Diese Erklärung als Print-Version: 20200504_8Mai_Flyer


 

8. Mai: ein Blumenmeer in Frankfurt

30. April 2020

8. Mai 1945: Befreiung, deshalb Feiertag
Lasst uns Frankfurt in ein Blumenmeer verwandeln

Esther Bejarano (Quelle: Jüdische Allgemeine)

Esther Bejarano überlebte als Mitglied des „Mädchenorchesters“ das deutsche Vernichtungslager Auschwitz und konnte vor 75 Jahren auf dem Todesmarsch der Häftlinge des KZ-Ravensbrück der SS entkommen. Sie fordert: „Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes.“ Eine entsprechende Petition (www.change.org/8mai )haben inzwischen über 60.000 Menschen unterzeichnet. Der Frankfurter Oberbürgermeister, Peter Feldmann, hat sich diese Forderung zu Eigen gemacht.

Da also keine Feiern und Kundgebungen an diesem 8. Mai möglich sein können, bittet die Zeitzeugin und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der BRD darum, an Orten, die an die Opfer des Faschismus und Widerstandskämpfer*innen erinnern, mit Schildern, Plakaten und Blumen den Befreiern zu danken. Wir, Mitglieder der Parteien, Organisationen und Initiativen, die den Tag der Befreiung auf dem Römerberg gerne gefeiert hätten, wir schließen uns dieser Bitte von Esther Bejarano an.

Es finden sich in unserem Stadtbild viele Stellen und Orte, die geeignet sind, mit Blumen, roten und weißen Bändern und Schildern den Befreiern zu danken und den Widerstandskämpfer*innen zu gedenken.

Hier ist eine Aufstellung der Gedenkstellen in Frankfurt: http://www.gedenkorte-frankfurt-main.de/gom_orts_liste.php?PHPSESSID= (Quelle: Institut für Stadtgeschichte). Hilfreich ist auch der Stadtplan von Frankfurt, auf dem Gedenkorte markiert sind: https://www.frankfurt1933-1945.de/nc/topografie/aktueller-plan/show/4/ (Quelle: ebenda).

Eine Liste der Stolpersteine in Frankfurt kann hier abgerufen werden; http://www.stolpersteine-frankfurt.de/dokumentation.html. An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank der Stolperstein-Initiative e.V.

Stolperstein für Siegfried Fay, ermordet 1942 in Theresienstadt, im Bäckerweg in Mörfelden-Walldorf

Wir wünschen uns vor, am 8. Mai und natürlich auch danach ein Blumenmeer in Frankfurt. Helfen Sie mit, dass das gelingt. Der nächste Stolperstein, der nächste Gedenkort ist vor Ihrer Haustür. Ihre Blumenhändlerin freut sich. Fangen Sie gleich an.

Besonders freuen wir uns über Blumen am VVN-Gedenkstein auf dem Praunheimer Friedhof, am Ettie-und-Peter-Gingold-Platz, am Gedenkstein vor der Festhalle und an der Gedenktafel für Lore Wolf in der Gerlachstraße 24.

 

 


 

1. Mai 2020 – solidarisch ist man nicht alleine

30. April 2020

VVN-BdA Frankfurt grüßt den DGB

Norbert Birkwald, Sprecher der Frankfurter VVN-BdA grüßt die Kolleg*innen des Frankfurter DGB in einem Videostream. Er sagt:

„Stets sind wir am 1. Mai gemeinsam unterwegs. Gewerkschaftlich organisierte Kolleginnen und Kollegen im DGB und Antifaschist*innen der VVN-BdA. Stets auf dem Römerberg.

Dieses Jahr geht das nicht. Dann eben so und hier.

Uns eint der Kampf für menschengerechte Arbeitsbedingungen, für Löhne für ein gutes Leben.

Wir stehen zusammen für Respekt, gegen Diskriminierung, gegen Rassismus und Nationalsismus, für Frieden und Solidarität.
Gemeinsam haben DGB und VVN den Hessischen Ministerpräsidenten aufgefordert, der 8. Mai, der Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg, muss Feiertag werden. Da bleiben wir dran.
Das diesjährige Motto passt in die Zeit: „Solidarisch ist man nicht allein“ Und trotzdem fehlt mir der Römerberg, ihr fehlt uns…
Wir wünschen euch, wir wünschen uns viel Kraft und Ausdauer. Der DGB und seine Gewerkschaften werden gebraucht. Jetzt und nach Corona.
Wir sehen uns.“

Das Video ist hier

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