Grußwort von Studis gegen rechte Hetze

19. Juli 2021

Grußwort von Studis gegen rechte Hetze

Wir gratulieren heute der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes zu 75 Jahren VVN-BdA!

Der Kampf gegen den Faschismus bleibt heutzutage genauso wie vor 75 Jahren eine Pflicht. Ob an der Universität oder allgemeingesellschaftlich wir stehen mit der VVN entschieden gegen rechte Hetze. Ob AfD oder die sogenannte neu gegründete rechte „Gegenuni“, ob Neonazis oder sogenannte „Identitäre“ — hierzulande muss entschieden gegen alle faschistische Strukturen gekämpft werden!

In diesem Sinne gedenken wir der vor Kurzem verstorbenen antifaschistischen Legende sowie Ehrenpräsidentin der VVN, Esther Bejarano, die durch ihre standhaften Positionen gegen Faschismus und Unterdrückung überall auf der ganzen Welt uns als Vorbild dient!

Deswegen nehmen wir diesen Tag zum Anlass, um die Arbeit der VVN zu würdigen und zu betonen, dass der antifaschistische Kampf weitergeht!

-Studis gegen rechte Hetze

Frankfurt am Main, 18.7.21

Rede des Kollektiv Ohne Namen

19. Juli 2021

75 Jahre VVN-BdA Rede

Als Kollektiv Ohne Namen bedanken wir uns für die Einladung, zum 75-jährigen Bestehen der VVN-BdA einen Beitrag leisten zu dürfen. Wir sind alle Teil eines über die Grenzen unserer Organisationen, Gruppen, Arbeiten, Aktionen, Personen hinweg greifenden antifaschistischen Kollektivs und durch unsere solidarische Haltung Teil der internationalen antifaschistischen Bewegung. Mit großer Trauer begehen wir den heutigen Tag im Wissen, dass eine besondere Aktivistin und Genossin heute leider nicht mehr unter uns lebt, die mit ihrem Engagement, ihrer Stimme, ihrer Haltung kompromisslos für eine Gesellschaft stand, die jedem einzelnen Menschen die Würde und Freiheit nicht nur zuspricht sondern ermöglichen soll. Sie stellte sich stets mutig gegen das gegenwärtig waltende Unrecht. Wir gedenken heute Esther Bejarano, einer großartigen Frau, die Auschwitz überlebte und uns kontinuierlich mahnte, den faschistischen Bewegungen gegenüber Widerstand zu leisten, die sich nicht zierte, den Staat und seine Mitverantwortung zu adressieren, die uns mit ihrem antifaschistischen Herz stets berührte und ermutigte nicht aufzuhören. Sie begleitete uns in unserer politischen Arbeit als Zeitzeugin, als Lehrende, als Künstlerin, die mit Microphone Mafia heute leider nicht mehr, doch auf gemeinsamen Demos und Feierlichkeiten der letzten Jahrzehnte, aufgetreten ist. Danke Esther. Wir tragen deinen Kampf gemeinsam weiter aus! Wir werden deine Arbeit stets in unserer ehren. Rest in power and peace! Die Gegenwart ist nach wie vor gezeichnet von diskriminierenden Strukturen, von einem Machtverhältnis, das die Gesellschaft trennt in wenige Ermächtigte, in viele Mittragende und viele Betroffene beziehungsweise Ohnmächtige. Die Gegenwart ist gezeichnet von kapitalistischen Eigentumsverhältnissen, die durch rassistische, sexistische und klassistische Strukturen täglich neu produziert werden. Die Unsicherheiten, die Spannungsverhältnisse und das kreierte Gegeneinander der Gegenwart ist der Nährboden für faschistische Bewegungen, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Die materiellen Zwänge, die staatlichen Repressionen, die menschenunwürdigen Strukturen, erschweren all denen, die sich dagegen wehren wollen, ihren antifaschistischen Dienst für eine von Hass befreite Gesellschaft stark zu machen.

Wir stellen bewusst Zusammenhänge her zwischen rassistischen Anschlägen, wie in Hanau, Mölln, Solingen, unzähligen weiteren Anschlägen, von denen nur wenige überhaupt in die Öffentlichkeit kamen und als solche anerkannt wurden, über rassistische Polizeigewalt, wie der Alltag unserer fremdgemachten, kriminalisierten, diskriminierten Kinder und Jugendlichen in jedem Lebensbereich, bis zur kriminalisierten Seenotrettung auf dem Mittelmeer, dem Massengrab für Tausende, die vor Zuständen fliehen, die das reiche Europa mitzuverantworten hat. Wir stellen Zusammenhänge her in internationaler Solidarität mit allen Unterdrückten und bekennen uns zu dem Kampf gegen den gemeinsamen Nenner, gegen das unterdrückerische System. Wir stehen gemeinsam in unserer Haltung und bauen Hand in Hand gemeinsam auf, denn die letzten 75 Jahre eurer antifaschistischen Arbeit sind erst der Anfang! Jeder einzelne Mensch ist wichtig und wird auf diesem Weg gebraucht. Auf weitere 75 Jahre! Dankeschön!

Rede der A.N.P.I. Ortsverband Frankfurt

19. Juli 2021

Guten Abend allerseits! Mein Name ist Anna Marchisio vom Verein der Partisanen Italiens, ANPI Ortsverband Frankfurt.
Zunächst möchten wir uns bei den Freunden der VVN-BdA dafür bedanken, dass sie uns zur Feier des 75. Jahrestages der Gründung der VVN eingeladen haben und wir Ihnen unseren Gruß überbringen dürfen. Die VVN-BdA ist unser Schwesterverein, und beide Vereine sind in der FIR (der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer) verbunden.
Italien hat den traurigen „Verdienst“, das Phänomen des Faschismus in Europa eingeleitet zu haben. Dieses Phänomen beherrschte dann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen großen Teil des europäischen Kontinents, hat seither in der ganzen Welt verschiedene Wiederauferstehungen und Fortsetzungen gefunden, und ist über die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg eine beunruhigende Präsenz und eine reale Bedrohung geblieben – bis heute, wo wir, wenn auch unter etwas anderen Formen, Episoden und Wiederauferstehungen faschistischer Nostalgie erleben, gegen die die Politik und die Kultur nicht mit der gebotenen Entschlossenheit reagieren.
Der Frühfaschismus war eine Mischung aus antipopulärer Reaktion und aggressivem Nationalismus, wobei Mussolini die Wut und Frustration der Kriegsheimkehrer für seine politischen Zwecke zu nutzten wusste, das Ganze begleitet von einer skrupellosen und systematischen Anwendung politischer Gewalt. Am Anfang fand der Faschismus die antifaschistischen politischen Parteien unvorbereitet: Dies gab dem Faschismus die Möglichkeit, die Macht zu ergreifen und sich als Regime zu konsolidieren, auch Dank der Mittäterschaft der wirtschaftlichen Machthaber. Es gab einige, die von Anfang an versuchten, sich der Machtergreifung des Faschismus entgegenzustellen: die im Juni 1921 in Rom geborenen Arditi del Popolo griffen zu den Waffen, um die betroffenen Volksmassen gegen den faschistischen Terror der Schwarzhemden zu schützen.
Die Arditi del Popolo schafften es damals nicht, den triumphierenden Faschismus einzudämmen, stellten aber einen wichtigen Bezugspunkt für die antifaschistische Opposition dar, die, wenn auch geschwächt, weiterhin im Untergrund operierte.
Diese Opposition fand dann 1943 in der Resistenza Ausdruck: so hieß der antifaschistische Widerstand in Italien, eine in unserer Geschichte außergewöhnliche Bewegung von Menschen, die den siegreichen bewaffneten Kampf gegen den Nazifaschismus führte, und Teil eines breiteren antifaschistischen Kampfes in ganz Europa war.
Allmählich verlassen uns die Menschen, die die Hölle des Nazifaschismus erlebt und dagegen gekämpft haben. Wie Esther Bejarano, haben sich auch die Partisanen das ganze Leben lang für die Freiheit und gegen Rassismus und Antisemitismus engagiert. Jetzt müssen wir den Staffelstab übernehmen.
Ebenso wie für die VVN-BdA bleibt es für ANPI eine unabdingbare Aufgabe, die Erinnerung an den Widerstand und and den Kampf gegen Faschismus an die kommenden Generationen weiterzugeben. Wie die VVN-BdA ist auch die ANPI der Meinung, dass der Kampf gegen den Faschismus nicht vorbei ist und heute mit noch grösser Bestimmung als Zuvor weitergeführt werden muss. Denn es genügt heute wohl nicht mehr, kein Faschist zu sein: in Zeiten wie die, die wir jetzt erleben, muss man Antifaschist sein!
Gemeinsam mit der VVN-BdA wollen wir hier in Frankfurt auch in der heutigen Gesellschaft für die Werte kämpfen, die den Widerstand damals inspiriert haben: gegen Rassismus und Diskriminierung, für Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden. Gemeinsam!

Grußwort vom Förderverein der Roma und Sinti

19. Juli 2021

Rede zu 75 Jahre VVN am 18.7. in Frankfurt. Februar
Liebe Freundinnen und Freunde,
zunächst auch von mir und im Namen des Fördervereins Roma ein herzliches „Happy Birthday VVN!“
Ich freue mich sehr, direkt nach der ANPI zu sprechen, denn viele italienische Sinti waren am bewaffneten Kampf gegen den Faschismus beteiligt. Es gab sogar eine Partisanen-Einheit, die ausschließlich aus Sinti bestand, die Leoni di Breda Solini, die Löwen-Brigade. Insbesondere für die Partisanenbewegungen in Jugoslawien und in der Sowjetunion sind ebenfalls viele Roma-Kämpferinnen dokumentiert. Überall im besetzten Europa wie auch in Deutschland beteiligen sich Roma und Sinti am antifaschistischen Widerstand. Ebenso im Spanischen Bürgrkrieg: Der Generalsekretär der katalanischen CNT Marià Rodríguez i Vázquez war ebenso ein Rom wie Helios Gomez. Dieser kämpfte auf den Barrikaden von Barcelona und als Illustrator republikanischer Zeitungen gegen die Putschisten und gegen den Antiziganismus. Im nationalsozialistischen Deutschland und den besetzten Gebieten wurden bis zu 500.000 Roma und Sinti ermordet. Dass dies 1982 vom deutschen Staat anerkannt wurde, ist vor allem ein Verdienst der Bürgerrechtsbewegung der Roma und Sinti, der in einem Hungerstreik ehemaliger Gefangener in der Gedenkstätte Dachau gipfelte. Dass das Mahnmal für den Porajmos seit mehr als einem Jahr ausgerechnet durch ein S-Bahnprojekt der Deutschen Bahn gefährdet wird, ist eigentlich unfassbar. Bitte setzt euch für die Unversehrtheit des Mahnmals ein und unterzeichnet auch die Petition dafür auf change.org. Am 19. Februar letzten Jahres wurden in Hanau die Romni Mercedes Kierpacz sowie dieRoma Viorel Paun und Kaloyan Velkov ebenso wie Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin neben Gabriele Rathjen von einem gleichermaßen rassistischen wie behindertenfeindlichen und misogynen Täter ermordet. Vor vier Wochen fand eine Fahraddemonstration zum Gedenken an die Ermordeten statt, an der vielleicht einge von Euch teilgenommen haben. Am selben Tag, dem 19. Juni, starb Stanislav Tomáš nach einer Festnahme durch die tschechische Polizei in Teplice. Die Tschechische Polizei behauptet, er sei an einer Kombination von Drogen und einer Herzerkrankung gestorben. Doch die Festnahme und der Tod des Rom wurden gefilmt und die Bilder gleichen der Tötung von George Floyd auf erschreckende Weise. Drei Polizistinnen fesseln Stanislav Tomáš. Ein Beamter kniet sechs quälend lange Minuten auf seinem Nacken. Nach etwa 4 Minuten bewegt sich Stanislav Tomáš nicht mehr, er ist entweder bewusstlos oder bereits tot, was den Polizisten nicht davon abhält, sein Opfer zwei weitere Minuten zu drangsalieren. Doch während die Mörder George Floyds zu 22 Jahren Haft verurteilt wurden, sind die Täterinnen und Täter im Fall Stanislav Tomáš auf freiem Fuß. Sie wurden von ihrem obersten Dienstherrn – Innenminister Jan Hamáček – ausdrücklich für ihr „entschiedenes Vorgehen“ gelobt. Die Beamten seien 100% Profis, hinter denen er stehe.
Über den Tod von Stanislav Tomáš wird in den hiesigen Medien kaum berichtet. Offensichtlich ist es für deutsche Journalistinnen einfacher, über Rassismus gegen Schwarze in den USA zu berichten, als über Antiziganismus in Europa. Mit zahlreichen Mahnwachen und Demonstrationen in ganz Europa hat sich nun eine Roma Lives Matter Bewegung gebildet, die Öffentlichkeit schafft und eine unabhängige Untersuchung des Todes von Stanislav Tomáš fordert. Nur Druck in Tschechien und international können eine unabhängige Untersuchung des Todes von Stanislav Tomáš erzwingen und zur Bestrafung der Täter führen! Bitte helft mit, das Schweigen über den Tod von Stanislav Tomáš zu durchbrechen! Erzählt es überall weiter und nehmt es in eure Veröffentlichungen mit auf, dass die tschechische Polizei einen Rom getötet hat, und die Regierung die Täterinnen deckt!
Schaffen wir eine starke Roma Lives Matter Bewegung!

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