Roman Kuperschmidt

Roman Kuperschmidt, Frankfurt, Musiker, begleitet die Lesungen aus den verbrannten Büchern auf dem Römerberg seit Jahren mit seiner Musik.

Dabei gelingt es ihm und seinen Bandmitgliedern immer wieder, Passanten und Touristen in großer Anzahl anzuziehen. Seine Musik verbreitet Optimismus. Das passt zu der Botschaft unserer Lesungen: Der Hitler-Faschismus verbrannte Bücher, verfemte, verfolgte und ermordete Kulturschaffende. Doch die Werke überlebten den Nazi-Terror. Deshalb präsentieren wir bei dieser virtuellen Lesung auch das Lied „mir lebn eybik“ , interpretiert von Roman Kuperschmidt und Band.

 

מיר לעבן אײַביק

 

Dieses  Lied wurde unter den schrecklichen Zuständen im Wilnaer Ghetto geschrieben. Musikaufführungen im Ghetto? Es gehörte zur grausigen Realität, daß die SS-Mörder sich gerne vor der Ermordung zehntausender von Menschen noch daran ergötzten, wenn sie sich Musik vorspielen ließen. Für die verzweifelten vom Tod bedrohten Juden war es dagegen ein Mittel, sich Mut zu machen. Jeder in Deutschland sollte wissen, daß ganze Familien in den Ghettos zusammengepfercht lebten, bevor die Ghettos liquidert, die Menschen in die Vernichtungslager, in die Gaskammern verschleppt wurden. Unter solchen Bedingungen enstand das Lied »Wie leben ewig« von Lejb Rosenthal 1943 im Wilnaer Ghetto: »Wir wollen leben und erleben, allen Feinden zum Trotz, die uns schlecht machen. Wir leben ewig, wir sind da!«

 

mir lebn eybik

Wir leben ewig, es brennt eine Welt.
Wir leben ewig, ohne einen Groschen Geld.
Und zum Trotz aller unserer Feinde,
die uns das Leben erschweren wollen.

Wir leben ewig, wir sind da.
Wir leben ewig, in jeder Stunde.
Wir werden leben und erleben,
schlechte Zeiten überleben.
Wir leben ewig, wir sind da.

Originaltext:

mir lebn eybik, es brent a velt.
mir lebn eybik, on a groshn gelt.
un oyf tsepukenish di ale sonim,
vos viln undz farshvartsn undzer ponim.

mir lebn eybik, mir zenen do.
mir lebn eybik, in yeder sho.
mir veln lebn un derlebn,
shlekhte zaytn ariberlebn.
mir lebn eybik, mir zenen do.

 

Quelle: Benjamin Ortmeyer, Jiddische Lieder gegen die Nazis; o.J, Frankfurt, Selbstverlag,
https://www.uni-frankfurt.de/51739544/Warum_jiddische_Lieder_gegen_die_Nazis1.pdf

 

Seine Virtuosität stellt er immer wieder unter Beweis, ein Beleg dafür ist das Video über die improvisierte Jam Crossover Performance, die er im Anschluss an seinen Auftritt im vergangenen Jahr in Heilbronn bei der langen Nacht der Musik darbot: https://www.youtube.com/watch?v=noBN70aywBs

 

Wir können es nicht erwarten, ihn hoffentlich bald wieder live zu erleben. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

 

dav

 

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