Jazz gegen Apartheid

20. Oktober 2021

Musik von Johnny Dyani

Samstag, den 30.10.2021 um 20:00 Uhr
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4
60488 Frankfurt am Main
Tickets ab 17,50 €, Preise inkl. MwSt. zzgl. 2,00 € Servicegebühr und Versandkosten pro Bestellung
https://www.brotfabrik.de/events/jazz-gegen-apartheid-3g-regelung/
Das Konzert findet unter 3G (Geimpft/Genesen/Getestet) -Regelung statt.
Bitte zeigt euren Impf- und/oder Genesenen bzw. den Testergebnis Nachweis sowie Personalausweis am Einlass zum Konzert vor.

Die Begegnung zweier großer Chronisten Südafrikas in Konzerten und Fotografie anlässlich des 35. Todestages des Komponisten Johnny Dyani (1947-1986)
Der Komponist Johnny Dyani porträtierte als musikalischer Chronist seine Zeitgenossen. Diese Porträts von Befreiungskämpfern und Musikern wie Steve Biko, Kippie Moeketsi, Nick Moyake werden mit der Fotografie von Jürgen Schadeberg zu einem Gesamtkunstwerk zusammengeführt.

Die Reihe „Jazz gegen Apartheid“ entstand 1986 in Zusammenarbeit mit dem Exilmusiker Johnny Dyani in Frankfurt. Die Musik des vor 35 Jahren verstorbenen Komponisten, Bandleaders und Bassisten ist grandiose Kunst, zugleich Geschichte des leidenschaftlichen Kampfes gegen Apartheid, Biographie eines Lebens im Exil und lückenlose Dokumentation aus 25 Jahren Exilgeschichte.
Frankfurt war früh ein Ort der Anti-Apartheid-Bewegung: Früchteboykott, Menschenteppiche vor Großbanken, Kirchentag gegen Apartheid – und nicht zuletzt die Entstehung des Projektes Jazz gegen Apartheid sind seither mit Frankfurt verbunden. Heute versammelt das Projekt Persönlichkeiten, die vom genialischen Elan und der Phantasie der Musik aus dem Exil begeistert sind.

Johnny Dyani

Johnny Dyani

Fotografie von Jürgen Schadeberg (1931 – 2020)
Der Fotograf Jürgen Schadeberg gilt als Chronist Südafrikas und hat auf die politischen Veränderungen des Landes eingewirkt. Sein kritischer Blick garantierte ihm die Verfolgung durch die alten Herrscher und die Wut der neuen Unterdrücker. In Frankfurt erleben wir in diesem Jahr die Fotografie von Jürgen Schadeberg mit „7 Jahrzehnte Jazzmusiker Südafrikas“.

Als PowerPoint-Präsentation fließt die Fotografie mit der Konzertreihe „Jazz gegen Apartheid“ zusammen. Zu diesem Anlass werden wir Bilder mit Porträts zeigen, die Jürgen Schadeberg liebevoll und symbolträchtig für diesen Themenkreis ausgewählt hat: Schadeberg lenkt den Blick tief in die Vergangenheit und auf die Zukunft des Jazz in Südafrika.
Schadeberg, 1931 in Berlin geboren, zog 1950 nach Johannesburg und arbeitete als Fotograf und Fotoredakteur für das Magazin „Drum“, das vor allem von der schwarzen Bevölkerungsmehrheit gelesen wurde. Er porträtierte zahlreiche bekannte schwarze Südafrikaner, stellte das Leben in den Townships dar und förderte zahlreiche afrikanische Fotografen. Zu seinen berühmtesten Fotografien zählt ein Porträt von Nelson Mandela, das Schadeberg 1994 in dessen ehemaliger Gefängniszelle auf Robben Island aufnahm.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit Kultur im Ghetto, Brotfabrik und VVN-BdA


Grußwort von Studis gegen rechte Hetze

19. Juli 2021

Grußwort von Studis gegen rechte Hetze

Wir gratulieren heute der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes zu 75 Jahren VVN-BdA!

Der Kampf gegen den Faschismus bleibt heutzutage genauso wie vor 75 Jahren eine Pflicht. Ob an der Universität oder allgemeingesellschaftlich wir stehen mit der VVN entschieden gegen rechte Hetze. Ob AfD oder die sogenannte neu gegründete rechte „Gegenuni“, ob Neonazis oder sogenannte „Identitäre“ — hierzulande muss entschieden gegen alle faschistische Strukturen gekämpft werden!

In diesem Sinne gedenken wir der vor Kurzem verstorbenen antifaschistischen Legende sowie Ehrenpräsidentin der VVN, Esther Bejarano, die durch ihre standhaften Positionen gegen Faschismus und Unterdrückung überall auf der ganzen Welt uns als Vorbild dient!

Deswegen nehmen wir diesen Tag zum Anlass, um die Arbeit der VVN zu würdigen und zu betonen, dass der antifaschistische Kampf weitergeht!

-Studis gegen rechte Hetze

Frankfurt am Main, 18.7.21

Rede des Kollektiv Ohne Namen

19. Juli 2021

75 Jahre VVN-BdA Rede

Als Kollektiv Ohne Namen bedanken wir uns für die Einladung, zum 75-jährigen Bestehen der VVN-BdA einen Beitrag leisten zu dürfen. Wir sind alle Teil eines über die Grenzen unserer Organisationen, Gruppen, Arbeiten, Aktionen, Personen hinweg greifenden antifaschistischen Kollektivs und durch unsere solidarische Haltung Teil der internationalen antifaschistischen Bewegung. Mit großer Trauer begehen wir den heutigen Tag im Wissen, dass eine besondere Aktivistin und Genossin heute leider nicht mehr unter uns lebt, die mit ihrem Engagement, ihrer Stimme, ihrer Haltung kompromisslos für eine Gesellschaft stand, die jedem einzelnen Menschen die Würde und Freiheit nicht nur zuspricht sondern ermöglichen soll. Sie stellte sich stets mutig gegen das gegenwärtig waltende Unrecht. Wir gedenken heute Esther Bejarano, einer großartigen Frau, die Auschwitz überlebte und uns kontinuierlich mahnte, den faschistischen Bewegungen gegenüber Widerstand zu leisten, die sich nicht zierte, den Staat und seine Mitverantwortung zu adressieren, die uns mit ihrem antifaschistischen Herz stets berührte und ermutigte nicht aufzuhören. Sie begleitete uns in unserer politischen Arbeit als Zeitzeugin, als Lehrende, als Künstlerin, die mit Microphone Mafia heute leider nicht mehr, doch auf gemeinsamen Demos und Feierlichkeiten der letzten Jahrzehnte, aufgetreten ist. Danke Esther. Wir tragen deinen Kampf gemeinsam weiter aus! Wir werden deine Arbeit stets in unserer ehren. Rest in power and peace! Die Gegenwart ist nach wie vor gezeichnet von diskriminierenden Strukturen, von einem Machtverhältnis, das die Gesellschaft trennt in wenige Ermächtigte, in viele Mittragende und viele Betroffene beziehungsweise Ohnmächtige. Die Gegenwart ist gezeichnet von kapitalistischen Eigentumsverhältnissen, die durch rassistische, sexistische und klassistische Strukturen täglich neu produziert werden. Die Unsicherheiten, die Spannungsverhältnisse und das kreierte Gegeneinander der Gegenwart ist der Nährboden für faschistische Bewegungen, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Die materiellen Zwänge, die staatlichen Repressionen, die menschenunwürdigen Strukturen, erschweren all denen, die sich dagegen wehren wollen, ihren antifaschistischen Dienst für eine von Hass befreite Gesellschaft stark zu machen.

Wir stellen bewusst Zusammenhänge her zwischen rassistischen Anschlägen, wie in Hanau, Mölln, Solingen, unzähligen weiteren Anschlägen, von denen nur wenige überhaupt in die Öffentlichkeit kamen und als solche anerkannt wurden, über rassistische Polizeigewalt, wie der Alltag unserer fremdgemachten, kriminalisierten, diskriminierten Kinder und Jugendlichen in jedem Lebensbereich, bis zur kriminalisierten Seenotrettung auf dem Mittelmeer, dem Massengrab für Tausende, die vor Zuständen fliehen, die das reiche Europa mitzuverantworten hat. Wir stellen Zusammenhänge her in internationaler Solidarität mit allen Unterdrückten und bekennen uns zu dem Kampf gegen den gemeinsamen Nenner, gegen das unterdrückerische System. Wir stehen gemeinsam in unserer Haltung und bauen Hand in Hand gemeinsam auf, denn die letzten 75 Jahre eurer antifaschistischen Arbeit sind erst der Anfang! Jeder einzelne Mensch ist wichtig und wird auf diesem Weg gebraucht. Auf weitere 75 Jahre! Dankeschön!

Rede der A.N.P.I. Ortsverband Frankfurt

19. Juli 2021

Guten Abend allerseits! Mein Name ist Anna Marchisio vom Verein der Partisanen Italiens, ANPI Ortsverband Frankfurt.
Zunächst möchten wir uns bei den Freunden der VVN-BdA dafür bedanken, dass sie uns zur Feier des 75. Jahrestages der Gründung der VVN eingeladen haben und wir Ihnen unseren Gruß überbringen dürfen. Die VVN-BdA ist unser Schwesterverein, und beide Vereine sind in der FIR (der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer) verbunden.
Italien hat den traurigen „Verdienst“, das Phänomen des Faschismus in Europa eingeleitet zu haben. Dieses Phänomen beherrschte dann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen großen Teil des europäischen Kontinents, hat seither in der ganzen Welt verschiedene Wiederauferstehungen und Fortsetzungen gefunden, und ist über die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg eine beunruhigende Präsenz und eine reale Bedrohung geblieben – bis heute, wo wir, wenn auch unter etwas anderen Formen, Episoden und Wiederauferstehungen faschistischer Nostalgie erleben, gegen die die Politik und die Kultur nicht mit der gebotenen Entschlossenheit reagieren.
Der Frühfaschismus war eine Mischung aus antipopulärer Reaktion und aggressivem Nationalismus, wobei Mussolini die Wut und Frustration der Kriegsheimkehrer für seine politischen Zwecke zu nutzten wusste, das Ganze begleitet von einer skrupellosen und systematischen Anwendung politischer Gewalt. Am Anfang fand der Faschismus die antifaschistischen politischen Parteien unvorbereitet: Dies gab dem Faschismus die Möglichkeit, die Macht zu ergreifen und sich als Regime zu konsolidieren, auch Dank der Mittäterschaft der wirtschaftlichen Machthaber. Es gab einige, die von Anfang an versuchten, sich der Machtergreifung des Faschismus entgegenzustellen: die im Juni 1921 in Rom geborenen Arditi del Popolo griffen zu den Waffen, um die betroffenen Volksmassen gegen den faschistischen Terror der Schwarzhemden zu schützen.
Die Arditi del Popolo schafften es damals nicht, den triumphierenden Faschismus einzudämmen, stellten aber einen wichtigen Bezugspunkt für die antifaschistische Opposition dar, die, wenn auch geschwächt, weiterhin im Untergrund operierte.
Diese Opposition fand dann 1943 in der Resistenza Ausdruck: so hieß der antifaschistische Widerstand in Italien, eine in unserer Geschichte außergewöhnliche Bewegung von Menschen, die den siegreichen bewaffneten Kampf gegen den Nazifaschismus führte, und Teil eines breiteren antifaschistischen Kampfes in ganz Europa war.
Allmählich verlassen uns die Menschen, die die Hölle des Nazifaschismus erlebt und dagegen gekämpft haben. Wie Esther Bejarano, haben sich auch die Partisanen das ganze Leben lang für die Freiheit und gegen Rassismus und Antisemitismus engagiert. Jetzt müssen wir den Staffelstab übernehmen.
Ebenso wie für die VVN-BdA bleibt es für ANPI eine unabdingbare Aufgabe, die Erinnerung an den Widerstand und and den Kampf gegen Faschismus an die kommenden Generationen weiterzugeben. Wie die VVN-BdA ist auch die ANPI der Meinung, dass der Kampf gegen den Faschismus nicht vorbei ist und heute mit noch grösser Bestimmung als Zuvor weitergeführt werden muss. Denn es genügt heute wohl nicht mehr, kein Faschist zu sein: in Zeiten wie die, die wir jetzt erleben, muss man Antifaschist sein!
Gemeinsam mit der VVN-BdA wollen wir hier in Frankfurt auch in der heutigen Gesellschaft für die Werte kämpfen, die den Widerstand damals inspiriert haben: gegen Rassismus und Diskriminierung, für Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden. Gemeinsam!

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